München, I love you! Manfred

Kapitel 6: München, I Love You!

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"München, I Love You"
#lebensglücktrotzpandemie

Kapitel 6:

Marta

Als Theo die Wohnungstür aufschloss stand Marta mitten im Wohnzimmer und telefonierte mit Silvie. Sie hatte Theo vor einer Stunde eine Nachricht geschickt, dass sie sich nun echte Sorgen wegen Silvie machte. Leider saß er da noch mitten in der Besprechung.
„Silvie, es wird alles gut. Wir holen dich sicher nach Hause“, sagte Marta.
„Versprichst du mir das?“
Ihre sonst so ruhige Tochter hatte sie aufgelöst angerufen. Kein Wunder, sie hatten beide heute ständig im Internet nach Silvies Flug gesucht und ihn nicht gefunden. Bei der Austauschorganisation war Marta kaum telefonisch durchgekommen, geschweige denn, dass man ihre Emails beantwortet hätte. Marta hatte bereits bei der Lufthansa angerufen, aber die hatten ihr gesagt, dass alle Flüge außer denen über Chicago und New York gecancelt seien. Silvies Flug sollte gerade nicht über New York gehen, hatte Caitlyn gesagt.
„Caitlyn hat mich vorhin angerufen und versichert, dass wir den Flug nur deshalb nicht gefunden haben, weil es nicht Lufthansa sondern United Airline ist. Ich habe sie nochmals gebeten, mir endlich die Flugdaten zu schicken.“
Theo stand in der Tür und hörte zu. Bei ihren letzten Worten drehte er sich um, stellte seine Tasche ab und verschwand ins Bad.
„Gepackt hast du alles, ja?“, fragte sie ihre Tochter.
„Alles fertig. Ich muss rechtzeitig los, um zum Flughafen zu kommen.“
„Das wird klappen. Hab dich lieb.“
„Ich dich auch.“
Theo kam aus dem Bad zurück.
„Den Flug gibt es also doch?“
„Caitlyn hat mir gesagt, ja.“
„Und warum schickt sie uns nicht die Daten?“, fragte er irritiert. „Das kann doch nicht so schwer sein.“
„Die sind total Land unter in dem Büro, aber ich habe mich auch schon beschwert.“ Marta ging zu dem großen Wohnzimmertisch aus hellem gekalktem Holz, auf dem ihr Laptop aufgeklappt stand.
„Ah, da ist die Email endlich.“
Theo trat neben sie und beugte sich über den Laptop.
„Die Zeiten stimmen, die hatte sie mir gesagt“, meinte Marta. „Dann schreibe ich mal Silvie.“
„Moment“, sagte Theo plötzlich, so dass Marta nervös wurde.
„Was denn?“
Statt zu antworten, setzte sich Theo auf den Stuhl vor dem Laptop und schloss das Emailprogramm.
„Was ist los?“, fragte Marta bemüht ruhig.
„Gleich“, meinte Theo. „Vielleicht irre ich mich auch.“
Er suchte etwas im Internet.
„Die sind so dämlich“, murmelte er dann zwischen den Zähnen hindurch. „Jetzt haben wir ein Problem.“
Er deutete auf den Bildschirm und sah zu ihr auf.
Marta sah auf die Angaben, die er gesucht hatte.
„San Juan, das ist der Flughafen.“
„Leider nicht“, erklärte Theo. „San Juan in Puerto Rico hat die Abkürzung FJO. Gebucht hat die aber“, er rief wieder die Email auf, „einen Flug von San Juan mit der Abkürzung SJO. Das ist Costa Rica.“
Marta presste die Hand vor den Mund.
„Das kann doch nicht sein.“
„Doch“, meinte Theo. „Scheiße. Wie ist die Nummer von der?“
Marta rief sie im Handy auf und reichte es ihm.
Während er wählte, verglich sie noch einmal die Kürzel, weil sie es einfach nicht glauben konnte.
„Na toll, da ist niemand mehr erreichbar.“
„Was?“ sie drehte sich um. „Kann nicht sein, ich habe vor einer Stunde noch mit ihr telefoniert.“
„Jetzt ist da eine Bandansage, man möge von telefonischen Nachfragen absehen und eine Email schicken.“
Panik kam in Marta auf, aber das durfte sie jetzt nicht zulassen. Sie musste die Nerven behalten.
„Ich schreibe ihr.“ Ihre Finger flogen über die Tastatur.
„Haben wir noch andere Nummern?“, fragte Theo.
„Ja, schau mal in dem Ablagekorb im Schrank, wo ich die ganzen Unterlagen zum Aufenthalt habe.“
Er suchte die Unterlagen heraus. Sie schaltete ihr Handy frei und reichte es ihm.
„Such mal in meiner Anrufliste nach Mr.Craig. Der hat mich gestern angerufen. Ich schicke die Email auch gleich noch an ihn und an die Info-Adresse.“ Sie schrieb überall in den Betreff „Notfall! Falscher Flug!“.
Theo schien derweil auch bei Mr. Craig kein Glück zu haben.
„Hier ist Mr. Lehnert“, sagte er, „rufen Sie mich dringend zurück, meiner Tochter wurde für morgen ein falscher Flug gebucht! Wir brauchen einen Flug für Silvia Lehnert von Puerto Rico nach München.“
Als er das Handy sinken ließ, sahen sie einander an.
„Was können wir noch tun?“, fragte Marta.
„Keine Ahnung.“ Theo starrte grimmig vor sich hin. „Die werden schon eine unserer Nachrichten lesen oder hören. Es ist bei denen erst vier Uhr Nachmittag.“ Er kam zu ihr herüber und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Ich werde in einer Viertelstunde wieder die Nummern anrufen. Grundsätzlich wird sie schon noch fliegen können, denke ich. Im schlimmsten Fall ist es eine andere Route, aber das wird schon klappen.“
Sie rieb sich die Schläfen und sah zu ihm auf.
„Ich hoffe, du hast recht. Gott, das ist einfach unerträglich, nichts unternehmen zu können und auf andere zu warten!“
„Ja“, sagte er. „Das ist wohl keine Stärke von uns beiden.“ Er fuhr sich über die kurz geschnittenen Haare. Seit Theo vor einigen Wochen die ersten grauen Haare entdeckt hatte, hatte er sich für einen millimeterkurzen Haarschnitt entschieden. Sie hatte sich erst daran gewöhnen müssen.
Steht ihm sogar besser, stellte Marta fest.
„Was denn?“, fragte Theo.
„Was?“, sie hatte nicht bemerkt, dass sie ihn gedankenverloren gemustert hatte. „War eine gute Entscheidung dein Friseurbesuch“, sagte sie dann. „Gefällt mir jetzt doch.“
Überrascht lächelte er. Dann drückte er aufmunternd ihre Schulter. „Komm, wir essen erstmal was.“

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Manfred

Elisabeth hatte Hühnchen, Kartoffelgratin und Pilze zum Abendbrot zubereitet.
„Sehr lecker“, sagte Manfred und nahm sich noch einmal nach.
„Danke.“
Er schielte auf ihren Teller, aber seine Frau schien nicht sonderlich Appetit zu haben.
„Lucas sagte, noch sind seine Cafés gut besucht.“
Elisabeth legt ihre Gabel neben den Teller.
„Und was ist, wenn sie schließen müssen?“, fragte sie leise.
Wie gewohnt wollte er seine Hand auf ihre legen, aber die letzten Tage hatten ihn verunsichert.
„Er sagt, er macht schon einen Plan B“, sagte er stattdessen.
Sie lächelte.
„Da bin ich mir sicher. Hoffentlich lässt er sich umsetzen.“
Sie deutete auf die Reste. „Möchtest du noch von den Pilzen?“
„Nein danke, jetzt bin ich wirklich satt.“ Er schob seinen Teller beiseite.
„Ich hab mir gedacht, wir könnten den Computer anwerfen und im Internet nach einem Sofa suchen, dass uns gefällt. Schaufenstershoppen sozusagen.“
Ihr Gesicht nahm den verschlossenen Ausdruck an, den er fürchtete.
„Darum brauchen wir uns wohl nicht zu kümmern.“
„Ach Lissi“, begann er, doch seine Frau schob ihren Stuhl zurück.
„Das Huhn muss in den Kühlschrank“, sagte sie und trug die Auflaufform zur Anrichte. Sie holte Tupperware aus einem Schrank und fing an, das Essen zu verpacken. „Morgen können wir eine Restepfanne machen, die du so gern magst.“
Ja, die mochte er, aber im Augenblick konnte er sich darüber nicht freuen. Mit einem Seufzen stand er auf.
Schweigend räumten sie den Tisch ab. Elisabeth vermied dabei jeden Kontakt. Als wären sie Fremde. Er schloss den Geschirrspüler mit aller Kraft und wandte sich ihr zu.
„Gute Nacht. Ich gehe ins Bett“, sagte sie in dem Moment und verließ die Küche.
Manfred stand unschlüssig neben dem gluckernden Geschirrspüler. Er sollte also noch wach bleiben, oder wie war das zu verstehen?
„Ich wollte eh noch nicht ins Bett gehen“, sagte er patzig durch die offene Küchentür. Hinterhergehen würde er auch nicht, jetzt langte es ihm.
Die Zeitung wollte er nicht lesen, fernsehen auch nicht. Bloß nicht noch mehr von all diesen Nachrichten.
Er öffnete den Kühlschrank und sah hinein. Eine Flasche Bier lag auf der unteren Ablage. Alkoholfrei. So wie Dr. Klinger ihnen beiden empfohlen hatte, wegen der Medikamente.
„Auf Bier und Wein verzichten Sie besser ganz.“ Dr. Klinger selbst trank überhaupt nicht.
Missmutig sah Manfred auf die Flasche Bier. Ich bin sechsundachtzig, dachte er und schloss die Kühlschranktür. In der Speisekammer standen in einer Ecke drei Flaschen Augustiner, aber die waren nicht gekühlt. Trotzig öffnete er einen Schrank und holte aus dem untersten Fach eine Flasche Rotwein. Als er sie geöffnet hatte, überlegte er kurz, ob er sie fragen sollte, ob sie auch ein Glas wollte. Aber nein, sie hatte ja klar gemacht, dass sie keine Zeit mit ihm verbringen wollte. Entschlossen goss er sich ein Glas mit Wein voll, trug es hinüber an den Küchentisch und setzte sich.
„Zum Wohle, Herr Dr. Klinger“, sagte er laut und hob das Glas.
Na also, dachte er nach dem ersten Schluck, nichts passiert. Der zweite Schluck tat ebenfalls gut. Gutes Tröpfchen, wie schade wäre das gewesen, wenn der verkommen würde.
Plötzlich erschien Elisabeth in der Tür, in Pyjama und Bademantel. Sie hielt inne und starrte auf ihn und den Wein. „Prost“, sagte sie vorwurfsvoll.
„Trinkst du ein Glas mit?“, fragte er ruppig.
„Nein, ich trinke keinen Wein. Ich halte mich an das, was Dr. Klinger sagt“, sagte sie und nahm aus dem Hängeschrank einen Becher.
„Dann eben nicht“, brummte Manfred und gönnte sich noch einen großen Schluck.
Schweigend machte sie ein wenig Wasser im Wasserkocher heiß und goss es in den Becher. Dann kramte sie in einem der Küchenschränke und holte eine Glasflasche heraus.
Ungläubig sah Manfred zu, wie sie einen großen Esslöffel Klosterfrau Melissengeist abmaß – es tropfte an den Seiten in den Becher über, das waren fast zwei Esslöffel! – und ihn in ihr heißes Wasser schüttete.
„Ach, und was ist das jetzt?“, fragte er.
„Kein Wein“, sagte sie und rührte um.
Früher hätte er jetzt gelacht. Früher hätten sie jetzt beide gelacht.
Einen Moment stand sie da und pustete in ihren Becher. Dann ging sie abrupt aus der Küche.
„Schlaf gut“, sagte sie noch.
Da saß er mit seinem Glas Wein. Und schwieg. Nein, so konnte das nicht weitergehen.

Marta

Marta hatte nicht den geringsten Appetit, aber sie folgte Theo in die Küche.
Theo inspizierte den Kühlschrank.
„Der Inhalt ist überwältigend.“
„Ja, ich weiß“, verteidigte sie sich. „Ich bin heute erst später aus dem Büro weg gekommen. Danach wollte ich einkaufen, aber das war so voll im Supermarkt. Nichts von Abstandhalten. Das war mir zu nervig, und ich wollte vor allem die Frau bei der Lufthansa noch einmal erreichen, die für mich nach Silvies Flug gesucht hat.“
„Der nicht von der Lufthansa war“, sagte er, während er Eier, Tomaten, Salat und Käse aus dem Kühlschrank nahm.
Sie stieß die Luft aus.
„Das wusste ich da aber noch nicht, Entschuldigung.“
„Das war nicht als Vorwurf gemeint“, erläuterte ihr Mann. Er ging zum Weinregal und suchte eine Flasche Rotwein heraus. Sie schaute auf ihr Handy und prüfte auch den Emaileingang.
„Wein?“ Er hielt die Flasche hoch. Marta sah zweifelnd drein.
„Lieber nicht.“
„Könnte aber dazu führen, dass du dich weniger nervös fühlst.“
„Ich werde auch mit Wein nervös sein, solange die nicht endlich zurückrufen.“
„Probier nochmal, ob du jetzt durchkommst“, sagte Theo.
Wieder hatte sie kein Glück. Theo hatte derweil Geschirr auf den Tresen gestellt, an dem sie in der Küche immer aßen.
Sie war nicht überrascht, dass er trotzdem zwei Weingläser aus dem Schrank genommen hatte.
„Aber nicht mehr als ein Null eins für mich, sonst bin ich gleich betrunken. Ich habe seit heute früh nichts mehr gegessen.“ Das fiel ihr jetzt erst auf, den Tag über war sie zu abgelenkt gewesen. „Emma hat mir heute wirklich den letzten Nerv geraubt.“
Theo mixte Eier in einer Schüssel zu Rührei. Da er keine Reaktion zeigte, erzählte Marta einfach weiter.
„Ich verstehe einfach nicht, warum sie gar kein Gefühl dafür hat, dass sie nicht gleichzeitig die Chefin rauskehren und die beste Freundin sein kann. Vor allem ist sie überhaupt keine Chefin, weil Entscheidungen sie völlig überfordern. Dann kommt sie zu mir“, sie warf die Hände hoch, „die ich gerade mal zwei bis drei Vormittage im Büro bin und will wissen, was sie mit dem Mitarbeiter machen, oder wie sie mit dem Kunden umgehen soll.“ Sie nahm sich eine Tomate vom Teller, den Theo hingestellt hatte. „Chefin ohne Verantwortung, das ist ihr Traumberuf. Und über dieser ganzen Lebensberatung bin ich nicht zu meinen Arbeiten gekommen.“
„Mhm“, machte Theo und nahm die Pfanne mit dem Rührei von der Flamme. „Und wegen Emma, an die jedes Führungskräftecoaching also verschwendet ist, sitzen wir jetzt bei kargem Rührei und Salat.“
Marta warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, während er sein Werk auf die Teller verteilte.
„Du könntest einfach mal ernst nehmen, was ich erzähle.“
„Tue ich“, korrigierte er. „Ich habe gerade festgestellt, dass diese Frau es nicht wert ist, dass wir kein schönes Abendbrot haben.“
„Ach Mann, Theo!“, Marta musste wider Willen grinsen. Sie rückte ihren Barstuhl zurecht. „Ich frage mich wirklich, was ich besser machen könnte.“
Er reichte ihr das Brot, das er getoastet hatte.
„Nicht mehr hingehen wäre eine Verbesserung. Sie bezahlt dich so lächerlich, dass der Ausfall auch nicht auffallen würde.“
Ärgerlich gab Marta Pfeffer auf ihr Rührei. Sie würde ganz sicher nicht auf eigenes Geld verzichten und aufs Arbeiten schon gar nicht. Nie hatte sie früher erwartet, dass Theo das so geringschätzen würde.
„Ich hab doch nicht studiert, um nichts zu tun.“
„Du hast auch nicht studiert“, sagte Theo ungerührt nach einem Schluck Wein, „um in diesem unterbezahlten Job einer unfähigen Frau die Welt zu erklären.“
„Also, so unfähig ist sie nicht“, – was leider gelogen war, dachte sie. Emma hatte nur eine Unmenge an Kontakten und konnte sich für die ersten ein bis zwei Stunden blendend verkaufen. Die eigentliche Arbeit, nämlich fähige Kandidaten für die Kunden zu finden, machten ihre Mitarbeiter. „Und ich werde diesen Job auf jeden Fall behalten.“
Das Handy klingelte und beide ließen ihr Besteck fallen.
„Hallo“, meldete sich Marta.
„Hei, Mrs Lehnert.“ Es war Caitlyn, die ziemlich atemlos klang. „Sorry, dass ich mich erst jetzt bei Ihnen melde.“
„Haben Sie meine Emails gelesen?“
„Ja, habe ich. Das tut mir wirklich leid, mir ist das überhaupt nicht aufgefallen, als ich gebucht habe. Das ist hier so ein Hektik bei uns.“
„Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie das nicht auffallen kann“, entfuhr es Marta.
„Ich versichere Ihnen, es tut mir wirklich leid. Derzeit muss ich mich hier um fast alles kümmern. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass es mehrere San Juan gibt, auf die Kürzel habe ich tatsächlich nicht geachtet. Mit gängigen Flughafenkürzeln kenne ich mich aus, aber nicht mit allen Flughäfen der Welt.“
Marta nickte ungeduldig.
„Tut mir leid, ich bin einfach nervös. Was machen wir jetzt?“
„Ich bin schon am suchen und habe einen Flug gefunden. Diesmal vom richtigen San Juan“, versicherte Caitlyn. „Allerdings nicht morgen, sondern erst am Sonntag. Und er geht über New York. Von dort nach Berlin. Da muss sie leider drei Stunden warten, bis es weitergeht nach München.“
„Gibt es denn keinen Flug mehr für morgen?“, fragte Marta.
„Leider nein.“
„Sie soll die Buchungsdaten sofort schicken“, sagte Theo.
„Also gut. Bitte schicken Sie uns sofort im Anschluss an die Buchung die Daten, ja?“
„Natürlich“, versicherte Caitlyn. „Da ist allerdings noch etwas. Die Umsteigezeit im JFK ist wirklich sehr knapp, sie hat gerade mal fünfundvierzig Minuten Zeit bis zum Abflug. Bitte sagen Sie Ihrer Tochter, dass sie sich beeilen muss.“
Großartig, dachte Marta. Ihre Tochter war auch so schon schrecklich nervös gewesen.
„Ich sage es ihr.“
Marta erzählte Theo alles und schloss sie die Augen.
„Wehe, es stimmt wieder was nicht mit dem Flug.“
„Wir überprüfen das gleich, wenn die Email kommt“, sagte Theo.
„Jetzt müssen wir vor allem Silvie anrufen.“
Theo holte sein Handy aus der Tasche.
„Ich mach das.“
Jetzt trank Marta doch von ihrem Wein.
„Hallo Schätzchen“, sagte Theo, als Silvie dran war. „Könnte nicht besser sein.“ Marta verdrehte die Augen und Theo hob schmunzelnd die Schultern. „Alles gut, bis auf dass deine Mama und ich eine gute Stunde hohen Blutdruck hatten. Ja, weil dein Flug nicht dort losging, wo er losgehen sollte. Aber du kannst ganz beruhigt sein, es ist alles geregelt.“
„Das habe ich ihr beim letzten Mal auch gesagt“, murmelte Marta.
„Doch, doch“, sagte Theo. „Du hast jetzt nur einen Tag mehr am Beach.“
Offenbar kam die Information nicht gut an.
„Nimm mal einfach an, es wären andere Umstände“, fuhr er fort. „Dann wärst du über einen weiteren Strandtag begeistert.“
Marta unterdrückte die Regung, ihm das Handy wegzunehmen.
„Ja, wir holen dich sicher nach Hause. Auf dem Rückflug zieh‘ bitte Sneakers an, du wirst nämlich ziemlich schnell im Flughafen JFK umsteigen müssen.“ Er warf Marta einen Blick zu und verzog das Gesicht. „Na, schnell halt. Fünfundvierzig Minuten. Komm schon Kiki, das schaffst du schon.“ Wenn er Silvie Kiki nannte, dann war sie gerade sehr aufgelöst. „Wir schicken dir gleich die Buchungsdaten. Morgen telefonieren wir noch einmal. Ich dich auch.“
Er steckte das Handy zurück in die Hosentasche.
„Sie schafft das.“
„Ich weiß, aber es tut mir so leid, dass sie da ganz allein ist.“
„Sie ist sechzehn und nicht auf den Kopf gefallen. Da werden schon ein paar andere Leute im Flughafen sein, die ihr helfen können.“
Er setzte sich wieder zu ihr.
„War das Rührei so schlimm?“, fragte er gespielt enttäuscht.
Sie sah auf ihren Teller.
„Mein Magen war einfach zu. Gib mir mal noch ein Brot, bitte.“
Sie warf ihm einen kritischen Blick zu, als er es ihr reichte.
„Du, wenn du magst, kannst du ruhig schon ins Bett gehen.“
„Hatte ich nicht vor.“
Sie würden jetzt nicht viel reden. Er war müde und sie war mit ihren Gedanken bei so vielen anderen Dingen, vor allem bei Silvie. Da konnte sie nicht abschalten.
„Doch, geh mal. Du siehst aus, als ob du gleich vom Stuhl kippst.“
„Vielen Dank für das Kompliment.“ Er blieb noch einen Moment sitzen, dann stand er auf. „Dann geh ich tatsächlich mal. War ein anstrengender Tag. Gute Nacht“, sagte er und gab ihr einen Kuss.
„Schlaf schön.“ Gedankenverloren stocherte sie ihn ihrem Rührei. Vor ein paar Tagen noch hatte sie über ganz andere Dinge gegrübelt. Jetzt wünschte sie nur, dass ihre Tochter wohlbehalten zu Hause ankam. Wie schnell sich die Prioritäten verschieben konnten.

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Kapitel 7 coming soon: 13.04.2020!