München I Love You Lea

Kapitel 17: München, I Love You!

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"München, I Love You"
#lebensglücktrotzpandemie

Kapitel 17:

Lea

Die Nachmittagssonne schien auf den Balkon, aber das Licht war nicht optimal, fand Lea. Am liebsten wäre ihr natürlich gewesen, wenn sie ein paar Stimmungsfotos in einem der Cafés hätte machen können, aber damit musste sie wohl warten, bis die Beschränkungen ein wenig gelockert wurden. Schließlich war sie keine Berufsfotografin. Sie hatte trotz allem ein paar hübsche Fotos zusammen bekommen, von denen sie sicher ein bis zwei pro Einstellung an Lucas schicken konnte. Dafür hatte sie das Stoffkörbchen mit Brötchen gefüllt, einen von den To-Go Bechern vom Coffee Addicts mit dem Filzwärmeschutz dazu gestellt und ihre eigene French Press Kanne mit Kaffe gefüllt, der mittlerweile kalt war.
Nun musste sie noch die Produkte einzeln fotografieren, das waren drei verschiedene Varianten der Filzwärmeschützer und drei verschiedene Stoffkörbchen. Nicht wahnsinnig viel bisher, aber die eigentliche Arbeit würde nach dem Fotografieren beginnen. Dann musste Lea die Sachen in Photoshop freistellen, und das hatte sie seit bestimmt sechs Jahren nicht mehr gemacht. Sie würde sich neu einarbeiten müssen. Überhaupt hatte sie seit Ewigkeiten nicht fotografiert. Früher, als Sven und Philip in die Grundschule gingen, hatte sie ab Philips zweiter Klasse die Klassenfotos und die Einzelportraits gemacht. Das war durch Zufall passiert, als der Fotograf kurzfristig ausgefallen war. Die nächsten Jahre hatten die Eltern weiterhin Lea beauftragen wollen. Natürlich auch, weil sie günstiger war, aber sie hatte einen guten Draht zu den Kindern aufgebaut, während sie die Portraits schoss und sie nicht in die übliche Studiohaltung gezwungen.
„Na, wie läuft’s hier“, fragte Markus und betrat den Balkon.
Lea hob den Blick vom Display ihrer Kamera.
„Meinen Ansprüchen nicht genügend, aber das lässt sich im Moment nicht ändern. Du kommst genau richtig. Ich hatte gerade einen der Jungs her kommandieren wollen, um mir zu assistieren.“
„Soll ich sie rufen?“
„Nein, jetzt bist du doch schon da“, meinte sie vergnügt und drückte ihm einen faltbaren Kreis aus silberner Folie in die Hand.
„Also, eigentlich würde ich ja gerne behilflich sein, wenn ich die Zeit hätte, aber-.“
„Jaja, es ist Sonntag Nachmittag“, fiel sie ihm ins Wort. „Du meinst, du müsstest eigentlich unbedingt die Federung der Couch testen.“
„Ich habe mir diesen Moment erarbeitet“, sagte er andächtig.
Lea blies sich einen Haarsträhne aus den Augen.
„Dann kannst du jetzt noch ein bisschen mehr erarbeiten. Auf Vorrat sozusagen.“
Er legte den Kopf schief.
„Aber vielleicht will ich gar keinen Vorrat sammeln. Ich bin eher der Grashüpfer, nicht das Eichhörnchen.“
„Das ist eine Maus in der Fabel.“
„Ehrlich? Auch bei Disney?“
Sie sah ihn einen Moment an. Dann kam sie auf ihn zu und küsste ihn ausgiebig.
„Büttöö“, sagte sie, als sie von ihm abließ.
„Mh“, machte er unentschlossen. Dann gab er auf. „Wo soll ich hin?“
Mit einem entzückten Grinsen dirigierte sie ihn an die Stelle, wo er sich hinstellen sollte.
„Ich möchte, dass mein aufopferndes Engagement bei deinem Bruder deutlich hervorgehoben wird, wenn du mit ihm sprichst“, sagte Markus, während er sich positionierte und den Schirm entfaltete.
„Mit Ausrufezeichen“, versprach sie abwesend, während sie sich auf die Fotos konzentrierte.
Sie gab noch ein paar Anweisungen, bis die Ausleuchtung stimmte.
„Meine Freundin Gabi hat geschrieben, dass die ganze Pandemie von himmlischen Kräften verursacht wurde, damit die veralteten sozialen Strukturen aufbrechen.“
„Ja, is‘ klar“, ertönte Markus hinter dem Schirm.
„Am liebsten hätte ich sie gefragt, ob ihr klar ist, dass ihre himmlische Revolution gerade einen Haufen Leute trifft, die vorher schon nicht reich waren.“
„Sei froh, dass sie noch mit dir redet. Denn wenn sie darüber nachdenken würde, gehörst du zu den Bösen. Meinetwegen.“
„Warum denn das?“
Er ließ den Schirm sinken.
„Was glaubst du, wie heftig die Versicherungen gerade dabei sind, all die Versicherungsfälle abzuwehren, weil tatsächlich oder angeblich die Voraussetzungen für das Eintreten nicht gegeben sind.“
„Oh“, sagte sie traurig.
„Ja. Wirklich wohl gefühlt habe ich mich in der letzten Telko nicht, da wurde viel darüber diskutiert. Andererseits möchte ich meinen Job auch nicht in Gefahr sehen.“ Markus sah sie an und hob die Schultern. „Insofern scheint mir das ganze eher schlecht durchdacht, was nicht für himmlische Kräfte spricht, würde ich meinen.“
„Tut mir leid“, sagte sie.
„Ja. Seien wir froh, dass Lucas nicht auf eine Betriebsschließungsversicherung angewiesen ist und hoffen wir, dass das auch so bleibt.“ Er nickte ihr zu. „Lass‘ uns weitermachen.“
Aber es war gut gewesen, dass es zum Thema geworden war. Sie hatte sich schon gewundert, ob es nur das Aufeinanderhocken war, das ihn so angestrengt hatte in den letzten zwei Tagen. Es passte zu ihm, dass er sich die Dinge zu Herzen nahm. Sie arbeiteten weiter.
„Immerhin“, sagte Lea plötzlich, als sie gerade die letzte Einstellung fotografierte, „muss man zugeben, dass die Delphine wieder in Venedig herum schwimmen und die kleinen chinesischen Kinder in Peking einen blauen Himmel kennenlernen.“ Sie schnippte mit den Fingern. „Es ist also nicht die himmlische Revolution, sondern die Revolution der Tiere. Kommt ja angeblich von einer Schlange, das Virus. Ach nein, Fledermäuse. Oder welches andere Tier war es in der letzten neuesten Meldung wieder?“
„Lass‘ die armen Tiere da raus, die würden sich nichts so Perfides ausdenken wie Covid-19.“
„Nein. Hören wir auf in die Kristallkugel zu schauen, das lässt das alles nicht wieder verschwinden. Ich habe sowieso meinen Konsum an Nachrichten und Social Media heruntergefahren.
„Mir langt’s auch. Meine Jungs auf WhatsApp beruhigen sich zum Glück gerade wieder und hören auf, alle möglichen widersprüchlichen, panikmachenden Informationen rumzuschicken. Wir betrauern nur unser alljährliches gemeinsames Wochenende nach Ostern, das ins Wasser fällt.“
„Richtig, der Lockdown dauert bis zum 19. April.“ Sie hatte noch gar nicht so weit in die Zukunft gedacht.
„Wenn das reicht“, sagte er missmutig. „Das wird sich länger hinziehen, fürchte ich.“
„Ach, du Stimmungsaufheller, du. Lass uns die letzten zwei Fotos machen. Du musst ein wenig mit der Sonne nachrücken.“
Dann waren sie fertig.
„Bester Ehemann von allen“, lobte Lea zwinkernd, als sie ihm den Schirm wieder abnahm. „War doch gar nicht so schlimm.“
„Ich bin total pflegeleicht, meine Frau liest nur so selten Gebrauchsanweisungen.“
„Du bist doch derjenige, der gern sagt Der Spaß liegt in der Herausforderung.“
„Dass du mir aber auch immer so gut zuhörst“, murmelte Markus vernehmlich. Er setzte sich in den Liegestuhl, den sie auf den Balkon gequetscht hatten und sah zu, wie sie ihre Fotoausrüstung verstaute.
„Warum hast du so lange nicht mehr fotografiert?“
„Das habe ich mich auch gefragt“, sagte sie, als sie die Fototasche zuklappte. „Es war einfach zu viel anderes zu tun. Vielleicht habe ich es auch vergessen.“ Auf den Fersen hockend, sah sie ihn voll Tatendrang an. „Ich habe mir vorhin überlegt, ich werde auf Fototour durch München gehen. Damit fange ich an. Gerade jetzt ist ein guter Zeitpunkt. Wann wird man die Stadt je wieder so menschenleer fotografieren können? Zum nächsten Spaziergang nehme ich die Kamera mit.“
„Ich sehe schon den Titel“, meinte Markus und wischte mit der Hand über ein imaginäres Buchcover. „München in Zeiten der Ausgangsbeschränkung. Ein Bildband von Lea Matern.Gefällt mir.“
„So etwas nennt man Coffee Table Book“, belehrte sie ihn. „Man sollte sicher auch Corona im Titel verwenden oder so.“
„Zu aufdringlich“, widersprach er. „Da können wir noch experimentieren.“ Er stand auf.
„Geht’s jetzt auf die Couch?“, fragte sie.
„Muss mal schauen, was die Jungs treiben“, sagte er und verschwand.
Lea räumte alles weg. Sie überlegte, ob sie sich sofort ans Freistellen machen sollte, aber beschloss dann, Montag damit anzufangen. Wenn man nicht darauf achtete, verlor sich noch völlig die Grenze zwischen Woche und Wochenende, während sie ständig zu Hause waren. Als sie wieder ins Wohnzimmer kam, waren sowohl die Couch als auch der Balkon leer.
Neugierig ging sie zu Svens Zimmer, aus der Geräusche kamen und öffnete die Tür.
Die Jungs hatten ihr altes Lego herausgeholt und auf dem Fußboden verteilt. Mittendrin saß auch ihr Mann. Im Hintergrund lief ein Hörbuch.
„Hallo Mama“, grüßte Sven, ohne von seinem Projekt aufzusehen.
„Hallo.“ Sie sah den dreien einen Augenblick zu. „Ich konnte immer gute Düsenjets bauen.“
„Mama, wir haben uns gerade vorgenommen, das Chrysler Building zu bauen“, sagte Philip und hielt einen Ausdruck hoch. „Haben wir im Internet gefunden. Das müssten wir mit dem, was wir haben, hinkriegen.“
„Klar, kriegen wir das hin“, meinte Markus, vertieft in einen weiteren Ausdruck.
„Sehr cool“, sagte Lea.
„Willst du mitbauen?“, fragte Sven.
„Ich komme vielleicht später dazu.“
„Dann verpasst du aber das Känguru.“
„Ach, das hört ihr?“ Sie hätte die Stimme erkennen können.
„Jepp. Ich hab mir das Känguru Manifest gekauft, als du uns zum Hugendubel geschickt hast. Das hatten wir noch nicht.“
„Ich steig‘ dann schon noch ein in die Geschichten“, versicherte sie und ging zurück auf den Balkon.
Sie hatte vor zwei Wochen ein neues Buch auf ihr Kindle heruntergeladen, war bisher aber nicht dazu gekommen, es zu lesen. Eigentlich müsste sie auch jetzt anderes tun, aber sie hatte beschlossen, das jeder hier in der Wohnung sich mal Zeit für sich nehmen durfte – nein, musste -, und dafür manches liegen blieb. Den Jungs hatte sie immerhin heute vormittag beim Lernen geholfen, Sonntag hin oder her. Jetzt schien ihr die richtige Zeit, sich genauer mit Der tägliche Stoiker auseinanderzusetzen. Emotionale Stabilität klang für sie nach einem guten Ziel. Sie war völlig vertieft, als Markus auf dem Balkon erschien.
„Kommt ihr ohne mich nicht weiter?“, frage sie aufblickend und stockte dann. Markus war im wahrsten Sinne des Wortes aschfahl. So hatte sie ihn noch nie gesehen.
„Susanne hat mich gerade angerufen“, sagte er. „Flo hat Corona und ist auf der Intensivstation.“
Erschrocken legte Lea das Buch zur Seite. Flo war Markus ältester Freund. Er lebte in Frankfurt.
„Oh nein“, sagte sie und fügte dann sofort hinzu: „Denk‘ an Verenas Cousine Astrid, die ist wieder ganz gesund geworden.“
Ein einziger aus dem Bekanntenkreis hatte bisher das Virus gehabt, und auch eher aus dem entfernten Bekanntenkreis. Markus schüttelte den Kopf.
„Aber die war nicht auf der Intensivstation. Flo war noch ganz angeschlagen von den Medikamenten.“
Flo hatte zwei Monate zuvor unverschuldet einen Autounfall gehabt. Er hatte Glück im Unglück gehabt und sich langsam von seinen Verletzungen und Prellungen erholt.
„Susanne war völlig aufgelöst. Offenbar haben Flo und Sebastian beide Corona. Sie haben noch bis vor einer Woche zusammen gearbeitet.“ Sebastian war ein Freund und Arbeitskollege von Flo, wusste Lea. „Sebastian fühlt sich schon wieder fit nach gerade mal fünf Tagen, hat sie gesagt, und ist praktisch symptomfrei. Aber Flo ist vorgestern früh auf die Intensivstation gekommen. Der Arzt hat heute mit ihr gesprochen und hat ihr keine Hoffnung gemacht.“
„Wie bitte?“, rief sie. „Das ist doch nicht möglich.“
„Sie hat so geweint“, sagte er abwesend, selbst noch unter Schock. „Sie darf nicht zu ihm.“ Er setzte sich neben sie auf die Bank. „Mensch, der Flo. Jetzt hat er so eisern seine Physiotherapie gemacht. Im April wollte er wieder Mountain biken, hat er uns erzählt. Ich habe mich ein bisschen gewundert, dass er auf die letzte Nachricht von mir nicht reagiert hat und hätte ihn morgen angerufen.“
„Das tut mir so leid.“ Allein der Gedanke daran, Markus läge auf der Intensivstation und sie dürfte nicht zu ihm, war für Lea unerträglich. Markus fuhr sich mit der Hand über die Augen.
„Ich kann ihn nicht anrufen, ihn nicht aufmuntern, nichts. Ich konnte nicht einmal Susanne trösten, weil ich gar nicht wusste, was ich sagen soll.“
„Da kannst du auch noch nicht trösten“, sagte sie leise. „Er lebt noch! Warum sehen die es so schlecht für ihn? Weil er geschwächt war?“
Er nickte.
„Sein Immunsystem ist noch nicht wieder stabil gewesen. Er hat auch noch immer Schmerzmittel nehmen müssen. Scheiß‘ Virus“, schimpfte er heftig. Lea schwieg.
„Weißt du“, fuhr er fort, „ich war auch eher einer, der das ganze nicht so ernst nehmen wollte. Aber jetzt…Vielleicht hab ich es alles nicht richtig gesehen.“ Er schüttelte wieder den Kopf. „Jetzt ist es plötzlich so persönlich.“
Lea entschied, dass sie einschreiten musste.
„Jetzt hör mir mal zu“, sagte sie nachdrücklich, um ihn aus dem Schock zu holen. „Es ist furchtbar traurig. Aber wir lassen uns nicht in diese Panik mit hineinziehen und bauen hier ein Bild von einem übermächtigen Killervirus auf, der uns alle wegnehmen kann, die wir lieben. Verstanden? Noch lebt Flo. Und du hast es nicht einfach unterschätzt. Denn Fakt bleibt, das Flo zu einer Risikogruppe gehörte. Gehört“, verbesserte sie sich. „Du siehst ja, es ist brutal für Flo, aber Sebastian ist wieder gesund.“
„Das ist brutal“, sagte er unwillig. „Es kommt so plötzlich. Und dann auch noch so schnell. Da überlebt er den Autounfall, nur um dieses Virus zu kriegen! Das gibt’s doch nicht.“
Sie sah seine Verzweiflung und wusste plötzlich, was ihn so sehr aus der Fassung brachte, abgesehen von dem Schreck, seinen ältesten Freund zu verlieren.
„Schatz“, sagte sie leise. „Du bist immer ein guter Freund für Flo gewesen.“
„Verdammt, wäre ich ihn bloß besuchen gefahren.“ Er wich ihrem Blick aus. Sie hatte ihn mehrfach gefragt, ob er nicht bei seinem Freund vorbeischauen wollte. Aber er hatte immer so viel zu tun gehabt. „Ich hab gedacht-.“ Er stockte. „Ich war sicher, dass der alte Flo wieder auf den Damm kommt und ich ihn spätestens nach Ostern sehe.“ Nun sah er sie doch an. „Ich hab das doch nicht wissen können.“
Sie nahm seine Hand in ihre.
„Nein.“ Das war der Fehler, den Menschen nun einmal machten, dass sie wichtige Dinge zu lange rausschoben. „Und das liegt auch nicht an Corona. Sieh mal, es hätte genauso umgekehrt sein können. Dass Flo wie Sebastian Corona nach ein paar Tagen überstanden hätte. Dann hättet ihr Jungs telefoniert, gelacht und geglaubt, alles hat Zeit. Und zwei Monate später wäre Flo bei dem Autounfall ums Leben gekommen, wie rund dreitausend Deutsche pro Jahr beziehungsweise über dreitausend Menschen weltweit pro Tag bei Verkehrsunfällen sterben. Pro Tag, Markus! Da würden wir jetzt auch sagen, warum hat er das Virus überlebt, um dann im Verkehr zu sterben?“ Sie beugte sich ein wenig dichter zu ihm vor. „Verstehst du, wie ich das meine? Es wäre gemein und traurig und ungerecht, aber du würdest nicht plötzlich aufhören, Auto zu fahren oder auf die Straße zu gehen. Du würdest nicht auf einmal jeden Tag Angst um dein Leben haben, sondern umsichtiger im Verkehr sein. Und so gehen wir auch hiermit um. Unabhängig davon, dass du natürlich um einen deiner besten Freunde Angst hast.“
Langsam holte er tief Luft.
„Ich verstehe schon. Hast recht.“
Sie drückte seine Hand in ihren beiden.
„Es ändert nichts daran, dass es wahnsinnig, wahnsinnig traurig ist und das Leben manchmal beschissen. Aber Flo ist ein Kämpfer. Er hätte dir nie ein schlechtes Gewissen gemacht, weil du nicht vorher vorbei gekommen bist, noch gewollt, dass du es dir machst.“
Er nickte.
„Ich werde morgen Susanne nochmal anrufen. Sie ist jetzt nach Hause zu den Kindern gefahren.“
„Das ist wichtig“, bestätigte sie.
Er lehnte sich zurück.
„Weißt du, wen du vielleicht noch anrufen könntest?“, überlegte sie.
„Sebastian.“
„Genau.“
Als er stumm vor sich hinstarrte, legte sie den Kopf schief.
„Soll ich dich ein bisschen allein lassen?“
„Nee.“ Er zog sie näher zu sich.
„Dann bin ich gleich wieder da“, sagte sie, stand auf und ging in die Küche. Als sie wieder auf dem Weg zurück war, steckte Sven den Kopf aus seinem Zimmer.
„Wo ist Papa?“
„Der hat gerade eine schlechte Nachricht über den Flo erhalten.“ Sie zögerte kurz, als sie den besorgten Blick ihres Sohnes sah. „Erzählen wir später, okay? Heute macht sich jeder einfach Sandwiches zum Abendbrot. Ich kümmere mich mal ein bisschen um euren Vater. Kein Grund zur Sorge.“
„Okay. Wir kümmern uns schon um Abendbrot“, versicherte er und verschwand wieder im Zimmer.
Auf dem Balkon stellte sie die Flasche und zwei Gläser auf den Tisch ab und setzte sich zu Markus.
„Es ist Zeit für Jacky & Johnny.“
Während sie auf ihrem Handy in einer Playlist suchte, goss Markus großzügig den Jack Daniels ein.
„Haben wir nicht mehr den guten schottischen Whiskey?“
„Nein, den müssen wir wieder besorgen“, sagte sie und hatte gefunden, wonach sie suchte. „Das ist jetzt das richtige.“
Sie nahm ihr Glas und lehnte sich an Markus, dann stießen sie an, während Johnny Cash „I won’t back down“ sang.
„Die Jungs sind am Lego bauen?“
Sie nickte.
„Alles in Ordnung bei denen.“
Er legte ihr den Arm um die Schultern.
„Ich glaub, mit einem ist es heut‘ nicht getan“, sagte er und hob das Glas.
„Denke ich mir“, sagte sie.
Er lauschte dem Lied und seufzte.
„Da hat er verdammt recht. There ain’t no easy way out.
Sie kuschelte sich an ihn.
„Aber deshalb gibt man eben nicht auf. Und man hat auch immer wieder Glück.“
„Ja“, stimmte er zu. „Mit den Jungs Lego bauen war schön. Ich hoffe, die lassen mich wieder mitbauen, wo ich mich einfach davon geschlichen habe“, fügte er mit einem kleinen Lachen in der Stimme hinzu.
„Klar.“
Er gab ihr einen Kuss auf die Schläfe.
„Wir kriegen das alles hin“, sage sie entschlossen.
„And I’ll keep this world from dragging me down. Gonna stand my ground…“

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Kapitel 18 coming soon: 16.05.2020