Figurine Markus LOVE IT ALL Zeichnungen

Kapitel 15: München, I Love You!

In Allgemein, München, I Love You!, News, Stories by Love It All Team

Love It All Figurine ist am Lesen


"München, I Love You"
#lebensglücktrotzpandemie

Kapitel 15:

Marta

Als Marta im Wohnzimmer nach ihrem Buch suchte, das sie gerade las, stolperte sie gleich zweimal über diverse Kabel. Theo saß am Wohnzimmertisch und hatte dort sein Home-Office eingerichtet. Nach zwei Tagen hatte er sich einen zweiten Bildschirm aus dem Büro geholt, weil er mit einem allein nicht ausreichend arbeiten konnte. Dann war da noch der Scanner. Marta unterdrückte ein Seufzen beim Anblick des Kabelchaos. Gerade saß Theo in einer Team-Besprechung über Zoom. Er hatte seine Kopfhörer mit Mikrofon angeschlossen, damit Silvie und Marta nicht immer alle Mitarbeiter mithören mussten. Theo hörten sie natürlich trotzdem in der ganzen Wohnung. Es schien gerade lebhaft diskutiert zu werden. Marta versuchte so leise wie möglich durch das Zimmer zu gehen. Wo war denn jetzt ihr Buch? Gerade suchte sie hinter den Sofakissen, als Theo sie rief.
„Kannst du bitte mal da hinten zwischen den Ordnern nach einem schauen auf dem Böger-Projekt steht?“
Marta ließ das Kissen los, ihr Buch war nicht dahinter gewesen. Sie ging zu den Ordnern hinüber.
„Danke“, sagte er, als sie den Ordner gefunden hatte und ihm reichte. Als sie sich umdrehte, verhakte sich ihr Fuß in einem weiteren Kabel und sie stolperte zum dritten Mal an diesem Morgen.
„Ach, verdammt nochmal“, schimpfte sie.
„Vorsicht“, sagte ihr Mann unnötigerweise. „Nein, sorry,“ sagte er dann ins Mikrofon, „meine Frau legt sich gerade mit den Monitorkabeln an.“
Marta funkelte ihn an und Theo schaltete das Mikro auf stumm.
„Schatz, ich werd da was drüber kleben oder so.“
„Das tu dann auch. Nicht, dass ich deine Monitore kaputt mache“, gab sie scharf zurück.
„Das war ein Scherz gewesen“, meinte Theo bedacht.
„Ja. Wie immer“, sagte sie nur und ging. Als sie ihn hinter sich vernehmlich die Luft ausstoßen hörte, schloss sie die Tür nachdrücklicher als nötig.
In der Küche sah sie auf die Flasche Wein auf der Arbeitsplatte und dann auf die Uhr. Ein Uhr Mittags. Zu früh. Außerdem trank sie kaum Alkohol, dann würde sie auch nicht jetzt damit anfangen. Aber zu einem Schnaps hätte sie gerade nicht nein gesagt. Ihr Büro war geschlossen, alles war für die nächsten drei Wochen auf Null heruntergefahren und leider konnte sie nicht von zu Hause arbeiten. Theo dafür umso mehr, er schien gar nicht mehr aus dem Arbeiten herauszukommen. Wenn er nicht an seinen Projekten arbeitete, dann telefonierte er mit den Kunden, die derzeit ihre Aufträge auf Eis gelegt hatten, hielt digital Händchen und stellte sicher, dass es seine Kunden blieben. Sie gönnte es ihm von Herzen. Sie war froh über seinen Elan, schließlich war er der Hauptverdiener. Und sie war neidisch. Hässliches Wort, dachte sie, aber leider fiel ihr kein anderes ein. Außerdem nervte es sie ungemein, dass sie seine Assistentin ersetzte. Da sie ja „nichts zu tun hatte“ – abgesehen vom Haushalt und Silvie ein wenig helfen – fielen Theo ständig irgendwelche Dinge ein, die sie doch bitte mal eben erledigen könnte, während er gerade am Telefon hing. Die letzten Tage hatte sie besonderen Spaß gehabt, da sie einen Mieterwechsel hatten. Sie hatten vor fünfzehn Jahren eine kleine Wohnung in Obermenzing gekauft und vermietet. Ausgerechnet zum 31.3. würde die Mieterin ausziehen und ein neuer Mieter am nächsten Tag einziehen. Es hatte vor drei Monaten niemand ahnen können, was dann in München los wäre. Eine Covid-freundliche Lösung für die Abnahme und Wohnungsübergabe zu finden war Marta zugefallen. Außerdem hatte sie sich die Umzugssorgen der Mieterin bei jedem Telefonat anhören dürfen. Sich darum zu kümmern war für Marta eine Selbstverständlichkeit. Womit sie nur schwer umgehen konnte war, dass ihr werter Gatte, wenn er sich zwischendurch nach dem Stand der Dinge erkundigte, bei ihr denselben Ton anschlug, wie bei seinem Team in Stresszeiten. Ihn darauf hinzuweisen brachte nicht mehr als ein „’Tschuldigung. Hab ich nicht mal gemerkt“.
Sie könnte mit dem Kochen anfangen, entschied sie. Ihr Blick fiel auf die Fensterbank und sie entdeckte endlich ihr Buch. Eine Stunde später war sie mit dem Risotto fertig und in ihrem Krimi drei Kapitel weiter. Im Wohnzimmer war es mittlerweile still geworden. Silvie hatte sich heute kaum aus ihrem Zimmer gerührt. Wahrscheinlich chattete sie mit Vincent oder ihren Freundinnen. Marta hatte erst gestern mit einer Freundin telefoniert, deren Kinder deutlich jünger als Sivie waren. Das Telefonat war eher bedrückend als aufheiternd gewesen. Schwer zu sagen, was nerviger war: nichts zu tun zu haben und zu Hause sitzen zu müssen, oder zu Hause festzusitzen und plötzlich pädagogisch wertvoll den Kindern im Alter von zehn und dreizehn Jahren Mathe und Englisch beibringen zu müssen. Anstrengender war ganz sicher das letztere. Mit ihrer Tante Elisabeth hatte sie telefoniert, nachdem Lea ihr von deren finanziellen Sorgen erzählt hatte. Elisabeth hatte zu ihrer unerschütterlichen Zuversicht zurückgefunden, auch wenn die Probleme unweigerlich kommen würden. Ihre Nähmaschine stand kaum noch still, nachdem ihre Tochter Maskenbestellungen aus ihrem gesamten Bekanntenkreis für ihre Mutter sammelte. Marta hatte auch sofort Masken für die Familie beauftragt und würde es Freunden empfehlen. Damit würde sich die finanzielle Lücke nicht schließen, aber ihre Tante war abgelenkt.
Marta ging ins Wohnzimmer.
„Wir können essen, wenn du keinen Termin hast.“
„Das können wir gern.“ Theo lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Wie war dein Tag bisher?“
„Großartig“, sagte sie. „Wie sollte es sonst sein?“
Er sah sie argwöhnisch an.
„Muss ich jetzt wissen, woher die Ironie kommt?“
„Theo, wie soll mein Tag denn gewesen sein? Über unsere Noch-und-Bald-Mieter bist du auf dem neuesten Stand. Abgesehen davon habe ich mich um die Wohnung, den Einkauf und das Mittagessen gekümmert. Du interessierst dich doch nicht wirklich dafür.“
„Hätte ja sein können, dass etwas unerwartet Aufregendes passiert ist.“
„Wohl nicht. Abgesehen von den aufregenden Zeiten vor der Haustür.“
Er seufzte.
„Mann, hast du eine Laune.“
Sie trat an den Tisch heran.
„Das könnte zum Beispiel daran liegen, dass du immer so tust, als ob alles was ich tue total lächerlich ist.“
„Das Büro ist doch dicht, ich kann gar nichts lächerlich machen.“
„Ja“, fuhr sie ihn an. „Aber wie ich gehört habe, sagst du bei anderen, dass ich gar nicht arbeite, sondern mich selbst bestrafe.“
„Ach das“, meinte er nach einem Moment und blickte sie direkt an.
„Ja das. Theresa hat sich nichts dabei gedacht, sie fand es total lustig. Aber ich finde es ganz und gar nicht lustig.“
Er stützte die Unterarme auf die Schreibtischplatte.
„Weißt du was, ich finde es auch nicht mehr lustig.“
„Was soll denn das?“ Marta warf die Arme hoch. „Du warst doch der letzte, der eine Frau wollte, die nur zu Hause sitzt.“
„Natürlich nicht. Ich hab dir nie verboten zu arbeiten.“
„Das wäre auch noch schöner!“, rief sie. Theo schloss kurz die Augen.
„Ich meinte, ich war nie dagegen, sorry.“
„Davon merke ich aber nichts mehr. Du hörst weder zu, noch nimmst du es ernst.“
„Weißt du eigentlich, was für eine schlechte Laune du hast, seitdem du dort arbeitest?“, unterbrach er sie betont ruhig.
„Es ist nun mal anstrengend mit Emma. Ich nehme deine Arbeit auch nicht weniger ernst, wenn du nach Hause kommst und schlecht drauf bist wegen einem Projekt.“
„Meistens nicht. Der Unterschied ist, wie du zugeben wirst, dass ich nicht immer schlecht drauf bin, und dass ich ansonsten meine Arbeit liebe und das auch sage.“
„Das Glück habe ich nunmal nicht.“
„Genau. Aber du gehst freiwillig hin. Natürlich tut uns ein Zweitverdienst gut, aber es ist nicht so, dass wir jeden Cent umdrehen. Du hast Architektur studiert und sofort den nächstbesten Job angenommen, den eine Freundin dir vermittelt hat. In einer Recruiting-Agentur, was nichts mit deiner Ausbildung zu tun hat.“
„Da hast du damals nichts dagegen gesagt.“ Ihre Stimme klang schriller als es ihr lieb war.
„Weil du klar gemacht hast, dass du unbedingt arbeiten und Geld verdienen willst.“ Jetzt wurde auch Theo lauter. „Auf die Diskussion hatte ich in der Tat keine Lust. Seitdem bist du nur am schimpfen. Berechtigterweise. Ich höre nämlich durchaus, was du sagst und ich unterstelle dir auch nicht, dass du übertreibst. Aber ich verstehe nicht, warum du dir nichts suchst, was dir Spaß macht.“
„Das ist nicht so einfach, ich habe kaum Berufserfahrung.“
„Dann muss man halt überlegen, wie man das ausgleicht. Aber wirf mir nicht dauernd vor, dass ich deine Arbeit nicht ernst nehme. Es geht hier nicht darum, dass ich ein Mann bin und nicht achte, was meine Frau arbeitet. Du“, betonte er, „nimmst deine Arbeit nicht ernst. Du bist frustriert und hältst Emma für inkompetent. Und du hast Recht damit. Wie soll ich also etwas ernst nehmen, was du selbst nicht wertschätzt?“
Es herrschte Stille.
„Vielleicht“, sagte sie dann ruhiger. „Aber es wäre schön, wenn man mit dir mal darüber reden könnte, was es für Alternativen gibt, oder wie ich einen anderen Weg finden kann. Das ist aber nie möglich, weil du für sowas keine Zeit hast.“
Er runzelte die Stirn.
„Hast du mich das schon mal gefragt?“
Jetzt seufzte sie.
„Theo, ja. Ich habe schon mehr als einmal gesagt, dass ich mich frage, was ich sonst machen soll. Du hast das mit einem Satz abgetan, dass ich das nur selbst beantworten könne und dann warst du wieder bei deinen Themen. Aber du hast recht, wahrscheinlich liegt es an mir. Ich habe mich verändert in den letzten Jahren. Ich muss mir mal Zeit nehmen und darüber nachdenken, was das alles betrifft.“
Er schüttelte leicht benommen den Kopf.
„Was soll denn jetzt dieser Rundumschlag? Nur weil ich nicht richtig zugehört habe?“
„Nicht nur da.“
„Ich war nie anders“, verteidigte er sich.
„Tja“, sagte sie müde. „Wenn du unveränderlich bist, dann ist das so. Ich bin es nicht.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte sie sich um und ging zur Tür. „Ich sage Silvie Bescheid, das Risotto wird sonst noch kalt.“

Kaffeehaus von LoveItAll

Lea

Eigentlich lief alles gut. Mehr als gut. Wirklich. Eigentlich gaben sich alle Mühe. Sie hatte auch fast ein schlechtes Gewissen, aber Lea hatte heute Nachmittag einfach eine Familienüberdosis. Sie waren seit zwei Wochen mehr oder weniger rund um die Uhr zusammen gewesen. Lea hatte nicht mehr zum Joggen gehen können, weil ausgerechnet jetzt ihre Achillessehne zwickte. Dafür hatte sie mit Sportvideos im Internet angefangen und Yogakurse gefunden. Markus hatte den Jungs und sich ein Probe-Abo einer Sport-App spendiert, die gerade in der Corona Zeit eine Sonderaktion anboten. Lea hatte sich ausgeklinkt, sie zog ihr eigenes Programm vor. Teilweise machten sie ihren Workout jeder in seinem Zimmer, hin und wieder Markus und die Jungs gemeinsam im Wohnzimmer. Regelmäßig drehten sie draußen gemeinsam eine Runde. Sie waren geradezu eine #bleibtzuhause-Vorzeigefamilie abgesehen von kleinen Kappeleien über alltäglichen Dingen.
Trotzdem fiel Lea heute endgültig die Decke auf den Kopf, und sie hatte das Gefühl gleich zu ersticken. Still und heimlich zog sie im Flur ihre Schuhe an. Sie würde den anderen später eine Nachricht schicken und fragen, ob sie Kuchen mitbringen sollte oder Eis. Aber jetzt würde sie sich hinausschleichen ohne Bescheid zu sagen, damit nicht etwa jemand „Oh, ich komme mit“, sagte.
Gerade zog sie ihre Jacke an, als die Schlafzimmertür aufging. Markus erschien in Sportsachen und Laufschuhen. Als er sie sah hielt er inne. Er sah genauso ertappt aus, wie sie bestimmt dreinschaute.
„Ach, du gehst grad raus?“, fragte er.
„Du auch, wie ich sehe. Eine Runde joggen?“ Ihr Mann war bestimmt die letzten fünf Jahre nicht joggen gewesen. Sie hob den Daumen. „Sehr guter Plan. Ich kann leider nicht mitlaufen.“
„Ja“, meinte er und schlenderte heran. „Sonst hätte ich dich auch gefragt.“
„Klar. Ich wollte dich auch-.“ Sie sah ihn an und grinste zerknirscht. „Nein, ich wollte niemanden fragen, ob er mitkommt auf meinen Spaziergang.“
Er nickte.
„Wir tun einfach so, als hätten wir uns nicht gesehen.“
„Meinst du, wir sollen den Jungs sagen, dass wir beide weg sind?“
Markus winkte ab.
„Die sind heilfroh, wenn wir aus dem Haus sind. Jungs!“, rief er dann laut. „Wir sind mal weg für ’ne Stunde.“
Aus den Zimmern erscholl ein undeutliches und eindeutig desinteressiertes „Okay“.
Vor dem Haus joggte Markus in Richtung Kirchenstraße davon, während Lea die Breisacherstraße in Richtung Bordeauxplatz spazierte. Es war herrliches Wetter, der Himmel war so blau und die Sonne so warm und die Luft so schön und überhaupt kam es ihr vor wie etwas ganz Besonderes, spazieren zu gehen. Sie lief bis zum Wiener Platz. Dort entschied sie sich gegen die Grünanlagen, denn da war es immer unglaublich voll trotz Abstandswahrung. Sämtliche Familien mit kleinen Kindern bauten dort ihre Fußballtore auf, fuhren mit den Kleinen Fahrrad, während dazwischen unzählige Leute joggten, die ansonsten mit Sicherheit nie joggen gingen. Einer von ihnen war heute ihr Mann. Sie ging in die andere Richtung an der Isar entlang am Müllerschen Volksbad vorbei und über die Brücke bis zum Deutschen Museum. Auch auf ihrem Weg war es noch belebt genug.
Am Kulturstrand saßen einige Handvoll Leute auf dem steinernen Rand des noch trockenen Brunnenbeckens. Natürlich mit großem Abstand zueinander. In dem Moment hielt ein Polizeiauto auf dem Bürgersteig. Zwei Beamte stiegen aus und machten sich zu einer Kontrollrunde auf. Die fünf Menschen auf dem Brunnenrand standen auf und begaben sich schleunigst wieder auf den Weg, bevor die Polizisten die Treppen hinunter gestiegen waren. Lea wusste, dass es nicht erlaubt war, sich irgendwohin zu setzen und zu verweilen. Aber als sie diese Situation jetzt direkt verfolgte, überlief sie eine Gänsehaut. Sie konnte nicht beurteilen, ob diese Einschränkungen notwendig waren oder nicht. Selbst wenn sie berechtigt waren, noch nie war Lea so deutlich geworden, was persönliche Freiheit bedeutete, was für ein kostbares Recht es darstellte und wie es sich anfühlte, auf einmal im Alltag eingeschränkt und überwacht zu werden. Das war etwas anderes, als ein Bußgeld einzustreichen, wenn man eine Feuerwehreinfahrt zugeparkt hatte. Oder um drei Uhr nachts die Nachbarschaft mit Partymusik vom Schlafen abhielt.
Allerdings zeigten die beiden Polizisten keine Motivation, die Bußgelder zu verhängen. Sie ließen sich Zeit auf der Treppe, und als sie unter den Bäumen ankamen, saß keiner mehr herum. Lea hatte schon andere Geschichten gehört, wobei es in den Isarauen angeblich auch immer noch ganze Grillgesellschaften gab, die dort lagerten. Sie wandte sich ab und ging weiter. Dadurch, dass sie immer in Bewegung bleiben musste, hatte sie schließlich eine Strecke von sechs Kilometern geschafft, als sie wieder am Wiener Platz ankam.
Eine Bank war auch hier von einem mutigen Paar besetzt, die übrigen standen in der Sonne herum. Lea beschloss, sich auch einen Moment Ruhe zu gönnen und lehnte sich gegen die Fensterbank vor einem Schaufenster. Dann zog sie ihr Handy heraus und rief Markus an.
„Na, wie läuft’s?“
„Es geht“, sagte er amüsiert. „Wörtlich. Nach vierzig Minuten habe ich beschlossen, dass ich genug geschwitzt und gejapst habe und seitdem gehe ich. Bin auf dem Rückweg.“
„Ich bin am Wiener Platz und ruhe verbotenerweise in der Sonne. Allerdings sitze ich nicht. Magst du mich abholen kommen?“
„Gute Idee, ich bin schon in der Nähe. Ungefähr fünf Minuten.“
Wenig später sah sie ihn über den Platz auf sie zukommen.
„Nein, du auch hier?“, begrüßte sie ihn.
„Ja, was für ein glücklicher Zufall“, sagte er. „So sehen wir uns auch mal wieder.“
Während sie weiter schlenderten, erzählte Lea von ihrem Spaziergang.
„Polizeiwagen hab ich auch gesehen in den Parkanlagen“, sagte Markus. „Es war gar nicht so einfach mit dem Abstandhalten, so voll war es auf den Wegen. Aber lustig, wenn man aneinander vorbeiläuft, drehen manche unauffällig auffällig den Kopf zu Seite und scheinen fast die Luft anzuhalten.“
Lea lachte.
„Hat gut getan, so eine Stunde für sich zu haben.“
„Jetzt hatten wir endlich einander wieder was zu erzählen“, stimmt Markus mit ernster Miene zu. Sie knuffte ihn in die Seite.
„Keinen unnötigen Kontakt, bitte“, warnte ihr Mann und grinste.
Sie kamen am Preysinggarten vorbei, der wie alle Gaststätten geschlossen war. Im kleinen Biergarten entdeckten sie jedoch eine provisorische Bar und auf dem Gehsteig ein Schild.
„Getränke to go.“ Lea blieb stehen. „Noch einen Kaffee kann ich heute nicht vertragen. Aber man könnte vielleicht einen Aperol Sprizz nehmen. Oder eine Weinschorle? Ich habe Geld dabei.“
„Tja“, meinte Markus. „Direkt nach dem Sport ist so ein Aperol sicher genau das richtige, um den Fitnesseffekt zu verstärken.“
„Stimmt. Also besser nicht?“
Er seufzte theatralisch.
„Man kann es sich nicht immer aussuchen. Was tut man nicht alles für Hashtag Support your locals.“ Er nickte der Mitarbeiterin zu, die hinter dem Zaun auf einem Stuhl saß und ihr Gespräch grinsend verfolgt hatte. „Zwei Aperol, bitte.“
„Jetzt müssen wir noch eine kleine Runde drehen, bis wir ausgetrunken haben“, sagte Lea, als sie ihre Drinks hatten. Sie umrundeten viermal die Kirche am Johannisplatz, dann waren sie fertig.
„Ich bin mir nicht sicher, ob mir vom Sprizz duselig ist oder vom im Kreis gehen“, überlegte Lea, als sie ihren Becher in einen Mülleimer warf.
„Wir hätten dazwischen die Richtung ändern sollen“, stimmte Markus zu.
„Ich kann jetzt nur noch auf die Couch für den Nachmittag.“
„Da bin ich aber schon“, wandte Markus ein.
„Dann wirst du eben ein wenig für mich rücken müssen“, sagte sie.
„Betrunken kuscheln am Nachmittag“, grinste Markus. „Gefällt mir, dieser Freitag.“
„Mir auch“, sagte Lea, „aber erst gehst du duschen.“
„Das du mich aber auch nie so annehmen kannst wie ich bin. Das schmerzt.“
„Ich kann dich geduscht einfach besser annehmen wie du bist, Schatz.“
Als sie vor ihrem Haus in der Breisacherstraße ankamen, stand ein Ehepaar aus dem Nachbarhaus auf dem Gehweg vor ihrer Eingangstür.
„Bloß nicht stehenbleiben“, sagte Gerhard, als sie sich begrüßten. „Dort drüben im dritten Stock hat die Nachbarin vorhin die Polizei gerufen, weil wir hier sind.“
„Nicht im Ernst“, sagte Markus und blieb prompt stehen. Zwischen ihren beiden Hauseingängen lagen mindestens zehn Meter.
„Doch. Freunde von uns waren spazieren, und wir haben mit ihnen hier ein Glas Prosecco getrunken. Die haben ein klein wenig näher gestanden als ihr jetzt. Zweimal hat die Nachbarin aus dem Fenster geschaut, zumindest habe ich es zweimal bemerkt. Dann kam ein Polizeiauto.“
„Habt ihr etwa ein Bußgeld bekommen?“, fragte Lea.
„Ja. Wir haben mit denen herum diskutiert, aber es blieb dabei. Wollten gerade ins Haus gehen, aber mich hat diese Hexe da drüben so aufgeregt, dass ich einfach nicht sofort klein beigeben wollte.“
„Deswegen schickt sie uns gleich nochmal die Polizei“, warnte seine Frau Sabine und zog an seinem Ellbogen.
„Also“, sagte Gerhard grimmig, „versteckt’s euch brav. Die Nachbarn, die sich in der Quarantäne nicht beschäftigen können, haben ein Auge auf euch.“
„Wir können uns immerhin über den Balkon zuprosten“, sagte Lea zum Abschied.
„Das ist doch verrückt“, sagte Markus kopfschüttelnd, als sie die Treppen zur Wohnung hochstiegen.
„Ich will jetzt auf’s Sofa und Corona vergessen“, sagte Lea entschlossen. „Aber…“
„Erst duschen, ich weiß.“

Zurück zur Übersicht

Kapitel 16 coming soon: 10.05.2020 – pünktlich zum Muttertag!