LOVE IT ALL Zeichnungen München I love you

Kapitel 10: München, I Love You!

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Love It All Figurine ist am Lesen


"München, I Love You"
#lebensglücktrotzpandemie

Kapitel 10:

Lucas

Lucas traf Isabelle am Chinesischen Turm. Sie hatten sich zu einer Joggingrunde verabredet.
„Wo möchtest du lang laufen“, fragte er, als sie ihre Fahrräder angeschlossen hatten.
„Mh.“ Sie überlegte, während sie die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammenband. Sexy sah sie aus in der Lauflegging mit der rosafarbenen Jacke, fand er.
„Lass uns zum Seehaus und noch ein Stück weiter laufen und später die Runde am Eisbach abschließen.“
„Gute Idee. Dann los.“
Ihre Laune schien sich gebessert zu haben seit gestern Abend.
„Ich werde abwarten, wie sich das in der Firma entwickelt“, erzählte sie, währen sie neben ihm herlief. „Nebenbei habe ich mein Profil bei zwei Headhuntern eingereicht. Sie halten meine Chancen für gut. Allerdings werde ich natürlich im Augenblick vorsichtig sein mit einem Jobwechsel. Immerhin bin ich bei seit sieben Jahren dort beschäftigt, die Stelle ist ziemlich sicher.“
„Hört sich gut an“, stimmt Lucas zu. Er warf ihr einen kurzen Blick zu, doch Isabelle hielt mit seinem Tempo problemlos mit.
„Ende Juni wollte ich nach Griechenland fliegen. Meinst du, die Situation wird bis dahin wieder besser sein?“, fragte sie.
„Wo wolltest du hin?“
„Cluburlaub. Mit zwei Freundinnen.“
„Tja“, meinte er. „Für Juni sehe ich ehrlich gesagt keine Chance mehr. Ich hatte mit ein paar Kumpels einen Segeltörn an der griechischen Küste geplant. Das können wir jetzt auch knicken.“
„Du segelst?“
„Ja, Ma’m, ich bin sogar der Skipper auf dem Boot.“
„Wow“, sagte sie, „das ist cool. Ich gehe manchmal mit Freunden auf dem Chiemsee segeln.“ Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Gleich darauf liefen sie einen schmalen Weg entlang und kamen zu einem abrupten Halt. Vor ihnen war der Boden aufgeweicht und stand teilweise unter Wasser bis zu den Sträuchern und Bäumen auf beiden Seiten.
„Wo kommt das denn her?“, fragte Isabelle überrascht. „Es hat doch gar nicht geregnet.“
„Keine Ahnung. Vielleicht durch die Baustelle verursacht, an der wir gerade vorbeigelaufen sind.“
„Iih“, sagte sie mit einem Blick auf die lehmigen Pfützen. „Meine Laufschuhe sind nagelneu. Lass uns umkehren.“
Er warf einen Blick auf ihre hellblauen Laufschuhe.
„Sehr schick. Sollen wir nicht einfach außen herum laufen?“
Sie warf einen Blick auf die Sträucher und Bäume längs des Weges.
„Das sieht auch nicht viel besser aus.“
Lucas verbiss sich ein Grinsen. Na schön, die Schuhe durften nicht schmutzig werden. Er klopfte sich auf den Rücken. „Spring auf, ich trag dich rüber.“
„Was? Nein, lass uns einfach umkehren.“
„Langweilig.“
Sie lachte und verlagerte das Gewicht auf eine Hüfte.
„Du kannst mich doch nicht da durch tragen.“ 
Er ließ seinen Blick an ihr heruntergleiten.
„Kann ich nicht?“
„Können vielleicht“, sie hob abbittend ihre Hände, „aber das musst du wirklich nicht.“
„Nicht zimperlich sein, ist doch nur ein kurzes Stück.“ Er drehte ihr seinen Rücken zu und ging leicht in die Knie.
„Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal von jemandem Huckepack getragen wurde“, sagte sie. Dann sprang sie tatsächlich auf. Lucas bekam ihre Kniekehlen zu fassen und rückte sie zurecht. Sie kicherte, als sie die Arme um seinen Hals schlang.
„Aber nicht ausrutschen.“
„Du hast Ideen“, meinte er und lief los durch die Pfützen. Sie schlang die Beine um seine Taille.
„Jetzt werden aber deine Schuhe ganz dreckig.“
„Reicht ja, wenn einer sich die neuen Schuhe ruiniert.“
„Was?“, rief sie aus. „Sind deine auch neu?“
„Nein“, sagte er lachend. Schon waren sie auf der anderen Seite angekommen. Sehr schade, dachte er, als er sie wieder herunter ließ. Die matschige Strecke hätte nach seinem Geschmack ruhig noch länger sein können.
Während sie ihre Runde weiterliefen, erzählte Lucas ein bisschen von seinem Tag.
„Meine Güte“, sagte sie. „Ich würde keine Nacht mehr schlafen können, wenn ich drei Cafés am Hals hätte. Dann noch zu dieser Zeit.“
„Bisher hatten wir die letzten Jahre Glück und es lief sehr gut“, sagte Lucas. „Es macht mir auch viel Spaß. Deshalb werden wir jetzt auch alles dransetzen, um die Zeit gut durchzustehen.“
„Ja, aber die Gastronomie ist so eine anstrengende Branche, finde ich. Wolltest du schon immer ein Café haben?“, fragte Isabelle.
„Vor ein paar Jahren hatte ich eine Bar übernehmen wollen. Leider bin ich da an die falschen Partner geraten. Das habe ich gerade noch rechtzeitig gemerkt und mich aus dem Projekt ausgeklinkt. Dann bin ich Dirk begegnet. Wir hatten die Idee mit zwei Cafés und jetzt kam das dritte dazu. Mir gefällt es, ich habe mich vorher mit Kaffee nicht sonderlich ausgekannt, aber mittlerweile schon. Wir haben uns auf Fair Trade fokussiert und arbeiten mit Plantagen in Costa Rica und Brasilien zusammen, die sich um Nachhaltigkeit bemühen. Soweit das bei Kaffee möglich ist. Eine davon ist die letzten zwei Jahre prämiert worden. Wir haben sie selbst besucht.“
„Das ist sicher spannend.“ Sie sah ihn von der Seite an. „Was hast du denn eigentlich studiert?“
„Ich habe nicht studiert“, meinte er gelassen. „Während der Schule habe ich früh Nebenjobs gehabt und danach hat irgendwie eins das andere ergeben. Ich habe ein paar Betriebswirtschaftskurse belegt. Der Rest ist Learning bei Doing – und viele Fragen stellen.“
„Ach so“, meinte sie nachdenklich. Er warf ihr einen Blick zu. Offenbar hatte sie sich seinen Werdegang anders vorgestellt.
„Was hast du studiert, BWL?“
„Ja, mit Schwerpunkt Personalwesen. Und dein Partner?“, fragte sie weiter. „Hat der auch nicht studiert?“
„Dirk hat eine kaufmännische Ausbildung gemacht, bevor er in die Gastronomie geraten ist. Manche Dinge klappen auch ohne Studium“, meinte er mit einem Zwinkern.
„Oh, na klar“, versicherte sie schnell. „Es gibt so viele, die ohne Studium Karriere machen. Obwohl ich in meinem Bekanntenkreis nicht wüsste, wer nicht studiert hat“, überlegte sie. „Naja, deshalb ist es immer interessant, neue Leute kennenzulernen.“
Ja, mal sehen, dachte er.
Sie hatten das Haus der Kunst und die Eisbachwelle erreicht, und Isabelle hörte zu joggen auf.
„Lass uns einen Blick auf die Surfer werfen“, schlug sie vor.
Heute waren gar nicht so viele Leute am Start. Rechts und links am Ufer der Welle standen jeweils drei Surfer und Surferinnen in ihren Neoprenanzügen, teilweise noch mit Hauben.
„Mir wäre das trotzdem zu kalt“, meinte Isabelle. Sie stupste ihn an. „Du surfst doch bestimmt auch.“
„Warum?“
Sie zuckte die Schultern. Er hob belustigt eine Augenbraue.
„Du meinst, ich habe dieses Flair?“, fragte er und hob die Hand zum Surfergruß. Sie lachte und zwinkerte ihm zu.
„Weil du so sportlich aussiehst, meinte ich.“
„Ich habe das mal gemacht, aber es ist nie wirklich mein Sport geworden. Im Café haben wir ein Surfermagazin ausliegen, ich habe den Herausgeber vor einem Jahr im Urlaub kennengelernt. Das ist sehr gut.“
„Support your Locals“, sagte Isabelle.
„Ganz recht.“
Die Hände in die Hüften gestützt beobachtete er, wie ein Surfer mit seinem Brett auf die Welle aufsprang und sie abritt. Er schaffte es dreimal hin und her, bevor er das Gleichgewicht verlor und ins Wasser fiel. Sie sahen sich noch die nächsten beiden an, aber die taugten nicht viel.
„Redet sich natürlich leicht, wenn wir hier am Rand stehen“, sagte Isabelle schließlich. „Sollen wir zurück zum Chinesischen Turm gehen?“
Sie gingen an Fräulein Grüneis vorbei, wo sich die Leute Aperol Sprizz und Bier holten. Bald würde sich die Sonne verabschieden, aber man konnte schnell noch einen frühlingshaften Sundowner genießen.
„Mei, hätte ich mal Geld eingesteckt, ich könnte jetzt eine Apfelschorle gebrauchen“, sagte Isabelle.
„Ich habe welches dabei. Warte mal, ich hol uns eben zwei.“
Gleich darauf kam er mit zwei Flaschen Apfelschorle zurück, die sie auf ihrem Weg tranken.
„Das tat sehr gut, danke“, sagte sie, als sie fertig war und blieb stehen. „Halt mal bitte kurz.“ Sie drückte ihm die Flasche in die Hand, machte ihren Pferdeschwanz auf und schüttelte die langen Haare aus. Dann sah sie zu ihm auf mit schräg gelegtem Kopf und lächelte. „Das war überhaupt sehr schön unser Abendsport.“
„Fand ich auch.“ Er gab ihr die Flasche zurück und trat einen Schritt näher. Ein bisschen gekünstelt war sie in ihrer Art, aber vielleicht gab sich das noch. Mit einem Finger strich er ihr eine Haarsträhne aus der Stirn hinter das Ohr und verharrte dort kurz.
„Ich sagte ja, draußen kriegt man gut den Kopf frei.“ Seine Finger glitten durch ihre Haare, er neigte den Kopf und küsste sie. Ihre Lippen schmeckten noch nach Apfelschorle. Es überraschte ihn nicht, dass sie ihn auch jetzt ein wenig warten ließ, bevor sie ihn zurück küsste. Aber als sie es tat, küsste sie sehr gut. Er zog sie etwas dichter zu sich heran. Gerade lehnte sie sich an ihn, als etwas auf seinen Fuß fiel. Überrascht löste er sich von ihren Lippen und sah nach unten.
Vor ihm saß ein kleiner Dackel und schaute mit glänzenden dunklen Augen erwartungsvoll zu ihm auf. Was auf seinem Schuh gelandet war, war ein kleiner Ball im Design eines Basketballs, den der Hund dorthin hatte fallen lassen.

Rauhaardackel Lulu München

Kati

Kati spielte nach dem Spaziergang mit Lulu auf der Wiese beim Monopteros-Hügel. Sie fühlte sich schon deutlich besser als heute Morgen. Sie hatte zwei Anrufe getätigt. Beim ersten hatte sie angeboten, den Webauftritt mehr oder weniger umsonst zu machen, im Gegenzug zu einer schriftlichen Rezension auf ihrer eigenen Webseite, die sie in den nächsten Wochen erstellen müsste. Die Frau hatte eine kleine Firma und war in ihrer Branche gut aufgestellt. Hier konnte sie weitere Klienten finden. Beim zweiten Anruf war es sogar noch besser gelaufen. Es war ein alter Bekannter, der tatsächlich dringend eine aktuelle, moderne Webseite für seine Steuerberaterkanzlei brauchte. Er bestand darauf, ihr einen Stundenlohn zu zahlen, auch wenn Kati ihm im Preis entgegenkam.
„Fang gar nicht erst an für zu kleines Geld zu arbeiten“, riet er ihr. Diese ersten beiden Projekte, konnte sie jetzt schon annehmen und sie auf ihrer Webseite als Referenzen und Beispiele zeigen. Sie hatte auch nicht vor, sich unter Wert zu verkaufen. Immerhin kannte sie sich in der Branche aus, aber sie würde zunächst trotzdem moderat anfangen müssen. Weiter hatte sie an ihrem Businessplan gearbeitet und ihren Urlaub ausgerechnet, der ihr zustand, nebst der Überstunden, die sie noch hatte.
Am Montag würde sie mit ihrem Chef telefonieren. Sie hatte sich einen Plan zurechtgelegt und hoffte, er würde darauf eingehen. Vor allem hatte sie auf Anraten von Tim hin, mit dem sie sich geschrieben hatte, ihren Vertrag durchgelesen, und er enthielt Gott sei gelobt kein Konkurrenzverbot nach Vertragsende. Trotzdem war alles noch ein wenig zu vage für ihren Geschmack, aber sie war auf dem richtigen Weg.
Lulu war nicht allzu zufrieden mit ihr, weil ihre Gedanken immer wieder wanderten und sie dadurch zu unaufmerksam mit dem Werfen war. Bisher hatten sie nicht so viel Glück gehabt mit wurfbereiten Männern. Kati hatte sich mit ihrem letzten Wurf besonders Mühe gegeben. Nichtsdestotrotz kam Lulu nicht zu ihr zurück, sondern trotte mit ihrem Ball im Maul in Richtung des Weges. Kati folgte ihr.
Oh nein, sie würde doch wohl nicht das Pärchen stören, das sich da gerade küsste? Doch, sie würde. Bevor Kati ihren Hund noch rufen konnte, war Lulu schon bei den beiden angelangt. Offenbar hatte sie bereits ihren Ball fallengelassen, denn das Paar fuhr auseinander. Kati hielt kurz inne. Den großen blonden Mann hatte sie schon einmal gesehen.
„Na toll“, murmelte sie. Das war der coole Typ aus dem Sushi Cent. Wie peinlich, und sie störte hier mit ihrem übermütigen Dackel. Kati hatte nicht mal richtig in den Spiegel geschaut, als sie direkt vom Schreibtisch aufgestanden und mit Lulu nach draußen gegangen war. Unwillkürlich strich sie sich die Haare glatt. Wozu überhaupt, er küsste ja schon eine andere. Dann auch noch eine mit ewig langen Beinen und langen Haaren. Ob sie schon joggen gewesen waren? Sie sah immer noch tiptop aus.
„Wer ist das denn?“, hörte sie die Frau fragen. Sie meinte Lulu.
Der Mann grinste breit, den Blick auf den kleinen Dackel gerichtet.
„Na du Störenfried? Sollen wir dir den Ball werfen?“, fragte er und bückte sich nach dem Ball.
Lulu wedelte erfreut und sprang einen Schritt zurück. Sie liebte Menschen, die schnell von Begriff waren.
Der Mann warf den Ball in hohem Bogen davon. Dabei fiel sein Blick auf Kati. Er stutzte. Dann winkte er ihr.
„Tut mir leid“, rief Kati, lächelte entschuldigend und kam etwas näher. „Sie ist einfach nicht aufzuhalten, wenn sie einen guten Wurfarm wittert.“
„Alles gut“, rief er zurück. Da sauste Lulu auch schon an Kati vorbei und wieder auf den Mann zu.
„Lulu, jetzt ist genug“, schimpfte Kati. Die Frau sah nicht sonderlich begeistert aus.
Der Mann warf den Ball noch einmal.
„Den wirst du jetzt nicht mehr los“, sagte die Frau zu ihm.
„Ich hatte früher auch einen Hund“, sagte der Mann. „Wie heißt er?“
„Lulu heißt sie.“ Kati stand nur noch die Breite des Weges von ihnen entfernt.
„Ah, eine sie. Sorry.“
„Ich nehme sie gleich an die Leine,“ sagte Kati schnell, als sie den genervten Blick der Frau bemerkte.
„Ach, kein Problem“, sagte der Mann gut gelaunt, blickte auf seine Freundin, die daraufhin etwas gequält lächelte. Kein Wunder, gerade hatte er sie noch geküsst, bevor Katis Fellkugel dazwischen geschossen war. Als Lulu zurückkam, rief Kati sie streng zu sich. Lulu blieb zwischen ihnen stehen, sichtbar bereit, das Risiko eines Tadels einzugehen.
„Lulu“, rief Kati noch einmal. „Einfach weitergehen“, sagte sie zu den zwei anderen. „Sie bleibt dann schon bei mir.“ Sie hoffte zumindest, dass Lulu sich als der tadellos erzogene Hund zeigen würde, den sie hier anpries.
Der Mann warf einen Blick auf seine Begleitung.
„Dann gehen wir weiter“, sagte er. Er lächelte Kati an. Ihr schien, dass er sie etwas länger ansah, als mit einer Frau an seiner Seite nötig. Aber wahrscheinlich kam ihr das nur so vor, denn – meine Güte, hatte er ein sexy Lächeln.
„Schönen Abend“, sagte er.
„Euch auch“, antwortete sie und strahlte. Das war einfach Reflex, wenn man so angelächelt wurde, was sollte man da schon anderes machen?
Als die beiden weitergingen, setzte sich Lulu. Kati ging zu ihr und hockte sich neben sie. Die kleine  Dackeldame ließ den Ball fallen und sah sie vorwurfsvoll an.
„Ich weiß“, sagte sie und streichelte Lulus Ohren. „Tut mir leid. Aber die Chance habe ich letzte Woche vertan. Das ist der andere aus dem Restaurant. Hätte ich dich mal mitgenommen.“ Sie drückte einen Moment ihr Gesicht in Lulus Fell. Vielleicht hatte er da sowieso schon die andere gekannt, tröstete sie sich. Noch einmal warf sie einen Blick in die Richtung, in die die beiden verschwunden waren. 

München, I love you! Zimtschnecke

Lea

Lea stand mit Markus in der Küche und verteilte geschnittenes Gemüse auf einem Backblech, während er die Steaks vorbereitete, als sein Handy klingelte.
„Dein Bruder“, sagte Markus, nach einem Blick auf das Display. „Gehst du einmal ran, ich muss mir die Hände waschen.“
„Hei“, grüßte Lea. „Warum rufst du nicht auf meinem Handy an?“
„Hab ich, bist nicht rangegangen“, erwiderte ihr Bruder.
Lea warf einen Blick zu ihrem Handy auf dem Küchentisch. „Komisch, hab nichts gehört. Hast du meine Nachricht gelesen, magst du zum Abendessen kommen? Wir haben genug.“
„Danke, aber ich werde heute einfach auf der Couch liegen und den Fernseher die Unterhaltung besorgen lassen.“
„Wie schade. Ab Montag kannst du nicht mehr so einfach vorbeikommen.“
„Stimmt. Ich könnte morgen kommen, wäre das okay? Dann können wir auch über Mama und Papa sprechen.“
„Klar. Anstrengender Tag?“
„Einigermaßen anstrengend ja. Wie geht’s euch?“
„Augenblick“, sagte Lea. „Ruf mal auf FaceTime an. Das wird jetzt Trend werden.“
Lucas seufzte, aber er tat ihr den Gefallen. Gleich darauf rief er über FaceTime an.
„Da ist er, mein kleiner Bruder“, begrüßte ihn Lea. „Gut, du siehst gesund aus, das wollte ich wissen.“
„Natürlich bin ich gesund.“
„Wir haben dich eine ganze Woche schon nicht mehr gesehen. Also, hier sind wir in der Küche. Gerade werkeln Markus“, sie filmte Markus, der eine Flasche Wein in die Kamera hielt, die er gerade öffnete, „und Lea in der Küche. Aber schon haben auch Philip und Sven sich hier eingenistet statt ihre Zimmer aufzuräumen, wie ich sehe.“
„Wir wollen unserem Lieblings-Onkel „Hallo“ sagen“, erklärte Sven grinsend, der hinter seinem Bruder in die Küche kam, nachdem er einen Blick auf das Display geworfen hatte. „Sozialkontakte sind sehr wichtig in dieser Zeit.“
„Da sind deine liebenden Neffen“, sagte Lea und hielt die Kamera auf die Jungs.
„Halloooo“, winkten Sven und Philip in die Kamera und grinsten extra blöd.
„Gott, wir werden alle noch zu RTL-2 Mitbürger“, stöhnte Lea. „Reality TV zu jeder Tageszeit.“
„Wir können gar nicht zu RTL-2 Bürgern werden, weil Mama und Papa hier eine Diktatur ausgerufen haben“, erklärte Philip seinem Onkel.
„Moment“, fiel ihm Lea ins Wort, „wir haben alle unsere Aufgaben, auch Markus und ich.“
„Aber wer hat die Aufgaben erfunden und verteilt?“, rief Sven.
„Wer hat’s erfunden?“, fragte Markus in schweizerischem Dialekt und schenkte zwei Gläser Wein ein.
„Ich sehe schon, ihr kriegt das hin“, sagte Lucas lachend.
„Wir geben unser Bestes“, stimmte seine Schwester zu und nahm von ihrem Mann das Glas Rotwein entgegen.
„Was verpasse ich denn Leckeres bei euch?“
„Steaks, Ofengemüse und Coleslaw“, informierte ihn sein Schwager und gleich darauf zischten die ersten Steaks in der Pfanne.
„Markus wollte eigentlich den Grill auf dem Balkon anwerfen, aber den haben wir noch nicht geputzt. Das haben wir also auf’s Wochenende verschoben.“ Lea sah in die Kamera. „Wie lief denn dein Mitarbeitergespräch?“
„Besser als erwartet“, sagte Lucas und rieb sich den Nacken. Er gab seiner Familie einen kurzen Bericht, einschließlich Theresas Sorgen, was zur Erheiterung beitrug.
„Immerhin haben die anderen sogar den Humor aufrecht erhalten“, sagte Markus.
Lucas nickte.
„Agile Führung, meine Fresse.“ Das Handy behielt er in der einen Hand und goss sich ebenfalls ein Glas Wein ein. Markus erschien neben Lea und hob sein Glas.
„Wenn das hier vorbei ist, bekommen wir hoffentlich alle ein Zertifikat in agilem Projektmanagement“, sagte er.
Lucas prostete ihm zu.
„Mama, dein Handy klingelt“, sagte Philip und hielt es hoch. Lea gab ihm Markus Handy und Philip spazierte damit zu seinem Vater, um Lucas am Anblick der leckeren Steaks teilhaben zu lassen.
„Doris, schon ein Date?“, begrüßte Lea ihre Freundin.
„Es ist eine Katastrophe!“, rief Doris ohne weitere Begrüßung. „Wir beide sind für sowas absolut ungeeignet.“
„Wieso? Und wieso wir?“
„Ich habe doch jedes Mal diese Typen weggewischt.“
„Ja, und? Du wolltest diese Männer doch auch nicht.“
„Welche Männer?“, fragte Markus.
„Die habe ich alle angefragt!“, sagte Doris jetzt.
„Wie, angefragt?“, fragte Lea verständnislos. „Moment, ich mach dich mal auf laut, ich bin verwirrt.“
„Na vielen Dank, Lea. Hallo Markus.“
„Hallo!“, erscholl es dreistimmig zurück.
„Großartig, die ganze Familie nimmt teil oder wie?“
„So finden wir sicher eine Lösung“, sagte Lea fröhlich. Sie merkte schon den Wein.
„Also, alle, die ich nicht wollte, habe ich offenbar angefragt. Sieben von denen haben mich jedenfalls gematcht. Ich verstehe das nicht. Und vor allem, was mach ich denn jetzt?“
„Worum geht es?“, fragte Markus. Lea erklärte kurz die Lage.
Markus hob entschuldigend die Schultern.
„Da bin ich raus.“
„Keine Ahnung“, sagte auch Lea. Lucas sprach mit seinen Neffen, trug also auch keine sinnvolle Lösung bei, „Was ist denn mit denen, die du wolltest?“
„Das waren nur zwei. Aber die sind nicht in meiner Liste.“
„Du hast wahrscheinlich in die falsche Richtung geswipet“, meldete sich Philip zu Wort.
„In die falsche Richtung?“, fragte Dorin verständnislos.
Philip stellte sich neben seine Mutter.
„Wenn du jemanden ablehnen willst, dann musst du nach links wischen, wenn du annehmen willst oder anfragen, wischst du nach rechts.“
„Oh mein Gott“, sagte Doris nachdem sie das verarbeitet hatte. „Ich habe alle angenommen, die ich nicht wollte?“ Philipp nickte. 
Lucas und Markus, der eine zugeschaltet, der andere vor Ort, prusteten gleichzeitig los.
„Auweia“, sagte Lea und versuchte, sich das Lachen zu verbeißen. „Dann werd‘ die mal schnell wieder los.“ Dann sah sie streng ihren Sohn an. „Woher weißt du denn das überhaupt?“
„Ja“, sagte Markus und räusperte sich, „wollte ich auch gerade fragen.“
Philip hob die Hände.
„Schaut mich nicht so an, ich benutze diese App nicht. Die sind mir doch viel zu alt da. Ich weiß das halt. Hab ich mal gehört.“
„Sowas weiß man“, sagte Sven weise.
„Ach, du auch?“, fragte Lea.
„Nö“, grinste Sven. „Aber jetzt.“
„So Leute, was ist mit dem Ofengemüse? Die Steaks sind gleich fertig“, rief Markus.
„Doris“, sagte Lea, „lass‘ uns eine Nacht drüber schlafen, dann habe ich eine Idee, wie du dich am geschicktesten aus der Affäre ziehst.“
„Den Affären“, bemerkte Markus.
„Hast du etwas zum Anstoßen?“, fragte Lea ihre Freundin, ihren Mann ignorierend. „Dann könntest du dich auch per FaceTime zuschalten.“
„Danke, das ist lieb. Ein andermal sehr gern in den nächsten Tagen“, sagte Doris.
„Was ist mit dir, Lucas?“, fragte Lea, nachdem Doris aufgelegt hatte. Der schüttelte den Kopf.
„Genießt eure Steaks. Ich klinke mich auch aus. Guten Appetit.“
„Dann werden wir jetzt loslegen. Schönen Abend“, sagte Lea noch, bevor sie ihn weg drückte.

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Kapitel 11 coming soon: 25.04.2020!