LOVE IT ALL Zeichnungen München I love you

Kapitel 1: München, I Love You!

In Allgemein, München, I Love You!, Stories by Love It All Team

Love It All Figurine ist am Lesen


"München, I Love You"
#lebensglücktrotzpandemie

Kapitel 1:

 Das kleine Sushirestaurant in Haidhausen war gut besucht, doch nicht ganz so voll besetzt wie sonst.  
Gerade setzten sich vier Leute an einen Tisch in der Ecke.
„Hab‘ ich einen Hunger“, sagte der eine, sobald sie saßen und legte seiner Begleiterin den Arm um die Schultern. „Jetzt erst mal ein schönes Helles.“
„Und ihr meint, wir dürfen jetzt nicht von unserem Tirol-Wochenende erzählen?“, fragte der Mann fast ein wenig herausfordernd. Er wurde von seiner Partnerin halb belustigt, halb ernst zum Schweigen ermahnt. 
Lucas, der am Nebentisch saß, dachte, dass die witzige Gesellschaft froh sein konnte, dass er mit seinen Leuten neben ihnen saß. Das Paar, das noch einen Tisch weiter saß, hätte die Bemerkung sicher nicht amüsant gefunden. Den ganzen Abend schon hatten die zwei über Corona und die Zustände in Italien geredet und diskutiert, ob sie ihre Reise Ende Juni nach Südafrika besser stornieren sollten. 
Lucas Schwager hingegen, mit dem und dessen Familie er zusammen saß, hatte die Neuankömmlinge gar nicht beachtet, geschweige denn ihnen zugehört. Selbst wenn, hätte es ihn nicht weiter gekümmert. Er war damit beschäftigt, mit seinen zwei Söhnen die Verteilung der letzten drei Maki auszuhandeln. Lucas hatte bereits seine Ansprüche frei gegeben. Seine Schwester mimte höchstes Interesse für die laufende Diskussion.
Lucas fand es immer einen lustigen Anblick, wenn die vier ihre schwedenblonden Köpfe in wilder Diskussion über einem Tisch zusammensteckten. Er selbst sah seiner Schwester in diesem Punkt nicht ähnlich, sondern schlug eher nach seinem vielleicht-blond-oder-doch-nicht-so-wirklichVater. Wobei der mittlerweile weißhaarig geworden war. Doch auch wenn Essen gerade im Mittelpunkt stand, war auch an ihrem Tisch Corona ein Thema.
„Ich weiß nicht, was ich davon halten soll“, sagte Lea, Lucas Schwester, nachdem die Sushi-Schlacht entschieden war. „Ist das nicht alles zu sehr Panikmacherei?“
„Es wird auf jeden Fall übertrieben. Das wird sich schon alles wieder beruhigen“, sagte Markus, ihr Mann.
„Aber die Schulen sind ab morgen tatsächlich dicht“, sagte Lea.
„Yeih“, machte Sven, der jüngere Sohn, bald vierzehn und sein zwei Jahre älterer Bruder Philip hob zustimmend die Hand, da er noch den Mund voll hatte.
„Nix yeih.“ Lea schüttelte den Kopf. „Es hat niemand was von Ferien gesagt. Ich schmeiß euch morgens pünktlich aus den Betten, und dann sitzt ihr aber an euren Aufgaben.“
„Mama“, belehrte Philip sie, „wir müssen uns erstmal auf die neue Situation einstellen.“
„Mit dreizehn und fünfzehn stellt man sich auf neue Situationen mit einem Fingerschnippen ein, das werden wir morgen gleich üben.“
„Merkst du denn einen Rückgang in euren Cafés?“, fragte Markus Lucas. Lucas hatte mit einem Partner drei Coffeeshop Filialen über München verteilt, eine in Neuhausen, eine in Haidhausen und eine in Schwabing.
„Bisher nicht. Im Gegenteil. Unsere Stammgäste bemühen sich, uns zu beweisen, dass sie uns unterstützen und haben uns am Samstag und heute vormittag regelrecht die Bude eingerannt. Jetzt war’s auch noch so schönes Wetter, da haben sie alle draußen vorm Laden gesessen. So ganz wohl war mir damit nicht mehr.“
„Meinst du wirklich, dass es so gefährlich ist?“
Lucas zuckte die Schultern.
„Weiß nicht. Aber wir haben schweren Herzens ein paar Stühle entfernt, damit sie nicht alle so dicht beieinander hocken. Und jetzt müssen wir sowieso für Mindestabstand sorgen.“
„Heute hat man jedenfalls auf den Straßen nichts von Panik gemerkt“, meinte Lea. „Die Jungs und ich waren an der Isar zum Radfahren. Kaum ein Durchkommen, wie immer.“
Man hörte ein Brummen und sie zog ihr Handy aus der Handtasche neben sich.
„Entschuldigt, das ist Marta, die versucht schon zum dritten Mal, mich zu erreichen. Ich geh mal kurz ran, bin gleich wieder da.“
„Aha, für dich gelten also Ausnahmen“, sagte ihr Ältester als sie aufstand, aber sie gab ihm nur einen Klaps auf den Haarschopf, als sie an ihm vorbeiging. Kaum war sie außer Sichtweite, zogen die Jungs ihre Handys hervor und Markus tat es ihnen gleich.
„Gucken wir mal, was der Stand der Dinge ist“, sagte er. Lucas war sicher, dass seine Neffen nicht an der Entwicklung der Corona-Lage interessiert waren, sondern ihre Spiele spielten

Er sah sich um, und sein Blick blieb an einer jungen Frau hängen, die allein an einem Tisch schräg hinter ihnen saß. Sie hatte zwar ihr Smartphone neben sich auf dem Tisch liegen, schaute aber nicht darauf, sondern widmete sich in aller Ruhe ihrem Sushi und einem Glas Weißwein. Cool, dachte Lucas, er sah eher selten eine Frau so selbstverständlich allein im Restaurant sitzen. Sie kam ihm bekannt vor, entweder hatte er sie hier schon einmal gesehen, oder in seinem Café im Viertel. Süß war sie auch noch mit den dunklen, kinnlangen Haaren und großen blauen Augen. Sie ließ den Blick über den Raum schweifen und Lucas wartete auf seine Chance. Doch da entdeckte sie einen anderen Mann, der gerade gezahlt hatte und von seinem Tisch aufstand. Sie lächelte. Lucas sah, wie der Mann innehielt, dann erfreut das Lächeln erwiderte und an ihren Tisch kam. Er schätzte ihn etwas älter als sich selbst ein, sportlich, in Hemd und Kaschmirpulli. Den Mantel überm Arm stand er jetzt bei der Frau.
„Wir kennen uns“, sagte er.
„Stimmt“, sagte sie fröhlich. „Aus dem Comercial. Ist schon ein paar Wochen her.“
„Genau. Wir haben uns außerdem sehr nett unterhalten, dann hab ich mich nur mal kurz umgedreht und wie ich wieder hinschaue, warst du weg.“
„Nicht ganz“, korrigierte sie mit einem Zwinkern. „Du hast mit deinem Freund länger geredet und ich mit der Freundin, mit der ich da war. Die wollte dann aber gehen, und da warst du gerade gar nicht mehr auf deinem Platz.“
„Na, aber hier sind wir nun“, sagte er. „Kann doch kein Zufall sein. Nur schade, dass ich jetzt schon wieder gehen muss, ich erwarte gleich noch einen Anruf.“
Oh Mann, dachte Lucas. Ja, geh mal, dann komme ich vielleicht doch noch zum Zug.
„Schade. Aber hab noch einen schönen Abend, und vielleicht bis zum nächsten Mal im Commercial“, sagte sie.
„Bist du da häufig?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Hin und wieder.“
„So kann ich jetzt nicht gehen“, sagte er. „Können wir das nachholen und treffen uns die Tage mal auf ein Glas Wein?“
Doch nicht ganz so ein Trottel, stellte Lucas bedauernd fest.
„Gern.“
„Okay“, der Mann zog sein Portemonnaie hervor. „Ich finde das zwar immer ein wenig plump, aber ich muss mich wirklich beeilen, deshalb-.“ Damit zog er eine Visitenkarte hervor und hielt sie ihr hin.
„Ja, das ist es“, sagte die Frau und nahm die Karte, „deswegen gebe ich dir meine nicht.“ Sie sah auf und lachte über sein Gesicht. „Ein Scherz. Ich habe gar keine. Deshalb, Tim“, sagte sie mit einem Blick auf die Karte, „werde ich einfach tippen, und dir eine WhatsApp schicken, okay?“
„Sehr gern“, sagte Tim mit einem erleichtertem Grinsen.
„Ich bin Kati“, sagte sie noch.
„Richtig. Das wusste ich jetzt nicht mehr.“
„Macht nichts, ich konnte mit deiner Karte mogeln.“
„Also, ich freu mich drauf, von dir zu hören“, sagte Tim und verließ eilig das Restaurant.
Kati sah ihm nach und schmunzelte. Als sie die Karte wegstecken wollte, traf sich ihr Blick mit Lucas. Es stand eindeutig Interesse in ihren Augen. Außerdem waren es sehr hübsche Augen. Lucas wartete gespannt. Sie zögerte kurz, dann lächelte sie halb mutwillig, halb bedauernd und nickte leicht mit dem Kopf. Ein paar Sekunden zu spät, dachte er, mal gewinnt man, mal verliert man. Mit einem Zwinkern zuckte er ebenfalls bedauernd mit der Schulter und wandte sich um.
„Fertig mit Mädels klarmachen?“, fragte ihn sein Schwager.
„Jepp, schlechtes Timing. Wieso, wolltest du was erzählen?“
„Sie machen die Grenzen nach Österreich dicht.“
Lucas Grinsen verschwand.
„Im Ernst?“
„Ab morgen früh.“
„Okay, das klingt jetzt alles nicht mehr so lustig.“
„Nee, das ist nicht lustig“, stimmte Markus zu.
„Da haben wir nochmal Glück gehabt“, entfuhr es der Frau am Nebentisch, die zugehört hatte. Lucas und Markus sahen sich an, sagten aber nichts weiter. In diesem Moment kam Lea wieder zurück an den Tisch.
„Entschuldigt, das ging nicht schneller. Schöne Grüße an alle. Marta hat übrigens bestätigt, was man von diesen Hamsterkäufen erzählt. Sie und Theo mussten gestern drei Supermärkte für ihren Wocheneinkauf abfahren. Pastaregale leer, kein Klopapier mehr da und so weiter. Die sind doch irre, die Leute.“ Ihr Blick fiel auf ihren Mann, der in seine Emails vertieft war. „Genauso irre wie mein Mann, der einfach süchtig nach seinem ollen Handy ist.“ Sie stieß ihn energisch in die Seite.
„Au“, machte Markus und sah auf. „Ich habe nur eben schauen müssen, was mein Mitarbeiter mir ausgerechnet heute zu schreiben hat.“ Markus war Abteilungsleiter in einem großen Versicherungsunternehmen.
„Gar nichts hat er dir am Sonntag zu schreiben“, meinte sie. Dann sah sie sich ihre Söhne näher an. „Ich glaube das einfach nicht. Da gehe ich für fünf Minuten vor die Tür und meine Familie klebt an ihren Smartphones. Hört sofort auf zu zocken.“
„Ich zocke nicht“, sagte Sven, ohne aufzublicken.
„Snapchat.“
„Hallo! Sofort Handys weg. Alle beide. Wir sitzen hier zusammen zum Essen.“
„Du warst eben nicht hier“, betonte Sven.
„Aber dein Onkel, mit dem hättest du dich zum Beispiel unterhalten können. Philip, Handy weg.“
Seufzend steckte ihr Ältester sein Handy in die Hosentasche.
„Mama, es ist doch nichts verblödend daran, wenn ich mit meinen Freunden chatte.“
„Das kannst du aber nachher machen. Nicht jetzt.“
„Phil, ich glaub, das wird ne anstrengende Woche werden“, sagte Sven zu seinem Bruder.
Lucas verkniff sich ein Grinsen, aber seine Schwester bewahrte ernste Miene.
„Das werden anstrengende Woch-en werden, wenn ich mit dir alle fünf Minuten diskutieren muss, mein Lieber.“
„Musst du ja nicht, du kannst dich auch einfach entspannen.“
„Du könntest uns einfach vertrauen“, warf Philip ein.
Lucas schlug die Augen zur Decke. Wenn die so weiter machten, würde das kein Ende nehmen. Beim Thema Handy verlor seine Schwester ihren Humor.
„Leute, es gibt ganz klare Regeln. Basta.“
„Ja, deine“, sagte Sven reichlich motzig. „Fragt sich nur, ob das die richtigen sind.“
„Achtung, mein lieber Freund, der Ton geht gar nicht“, sagte seine Mutter scharf.
Sven hob die Hände.
„Was?“, fragte er trotzig und warf seinem Vater einen Blick zu.
„Der Ton geht gar nicht“, wiederholte sein Vater.
Sven stöhnte, schwieg aber.
„Danke“, sagte Lea.
„Bitte“, sagte ihr Mann.
„Was hatte er denn nun so dringend zu schreiben, dein Mitarbeiter?“, fragte Lea.
„Er geht in Eigenquarantäne, weil er in Österreich zum Skifahren war. Kommt morgen nicht ins Büro.“
„Oh“, machte Lea.
„Und die Grenzen werden dicht gemacht nach Österreich und in die Schweiz auch“, informierte Markus sie. „Ist wohl richtig, wenn es hier nicht wie in Italien werden soll.“
„Vielleicht mache ich für morgen doch einen größeren Einkaufszettel“, überlegte Lea.
„Wir machen keine Hamsterkäufe“, sagte Markus nachdrücklich.
Lea sah besorgt zu ihrem Bruder.
„Mensch Lucas, ich hoffe, dass ihr weiter geöffnet haben dürft.“
Lucas nickte nachdenklich.
„Es war zumindest genau der richtige Zeitpunkt, dass Dirk und ich vor zwei Monaten unseren Online-shop für den Kaffee aufgebaut haben.“
„Wird der gut angenommen?“, fragte Markus interessiert.
„Läuft“, meinte Lucas. „Ich hoffe, davon können wir jetzt profitieren.“ Insgeheim hatte er sich schon das ganze Wochenende über weitere Gedanken zu möglichen Maßnahmen gemacht, sollte es doch noch zu größeren Einschränkungen kommen. Es trat Stille am Tisch ein. Die Stimmung hatte im Laufe des Abends eine deutlich ernstere Note bekommen.
„Wir warten jetzt erstmal ab“, sagte Lea entschlossen.
„Absolut richtig“, stimmte Markus zu. „Das Klopapier wird uns schon nicht ausgehen. Jetzt zahlen wir, morgen wird gearbeitet.“
Lucas verabschiedete seine Familie, die direkt vor dem Restaurant einen Parkplatz gefunden hatte. Er selbst war mit dem Rad gekommen.
„Pass auf dich auf“, sagte Lea zu ihrem Bruder und drückte ihn kurz, während ihre Familie beim Einsteigen das nächste Diskussionsthema gefunden hatte.
„Können wir noch einen Film sehen?“ fragte Sven.
„Nein“, antwortete Lea, ohne sich umzudrehen.
„Warum denn nicht?“
„Au, du stehst auf meinem Fuß, du Depp“, fuhr ihn sein Bruder an.
„Dann steh halt nicht so dicht hinter mir, du Trottel.“
„Dann steig einfach endlich ein. Alter, wie lang willst du denn noch hier rumhampeln!“
Lea verdrehte die Augen, öffnete die Beifahrertür und sagte laut und vernehmlich: „Wenn ich Hamsterkäufe mache, dann um den Weinvorrat aufzustocken! Sonst überlebe ich das nicht.“

Fahrrad Love It All

Lucas

Doch nicht so schlimm, noch keine Familie zu haben, dachte Lucas, als er ihnen zum Abschied winkte. Obwohl er auf jeden Fall eine eigene Familie wollte. Er dachte an die kleine Dunkelhaarige vorhin, Kati. Als sie das Restaurant verließen, war sie nicht mehr da gewesen. Er ging zu seinem Fahrrad hinüber, das an der Ecke vor dem Restaurant angeschlossen war. Gerade als er sich über sein Schloss beugte, erhielt er einen heftigen Schubs in den Allerwertesten, dass er nach vorn stolperte.
„Oh mein Gott, tut mir Leid!“, rief eine Frauenstimme.
Lucas drehte sich verblüfft um und sah sich einer Frau gegenüber, die ihn zerknirscht ansah. Offenbar war sie um die Ecke gekommen, ohne auf den Weg zu achten. Sie musste einen ganz schön schnellen Schritt drauf gehabt haben.
„Mei, das ist wirklich peinlich“, sagte sie jetzt zwischen Schreck und Lachen schwankend. „Ich weiß gar nicht – ich war mit meinen Gedanken völlig woanders.“
„Da war mein Hintern natürlich im Weg“, meinte Lucas grinsend und schaute sie sich näher an. Heute Abend waren die hübschen Frauen alle allein unterwegs, dachte er belustigt. Ihre Haare waren genauso glänzend und dunkel wie die von der Kati, fielen aber lang über ihre Schultern. Groß war sie außerdem, ihr Scheitel reichte ihm bis über die Nasenspitze.
„Ja, irgendwie schon.“ Sie lachte. „Was jetzt nicht heißen soll, dass er so groß wäre, ich habe einfach wirklich – der Klassiker – in mein Handy geschaut.“ Damit hielt sie besagte Ursache hoch. „Ein Glück ist mir das nicht runtergefallen. Bei dir ist auch alles in Ordnung? Am Rad meine ich?“
„Nichts passiert. Nur der Schreck“, er fasste sich ans Herz.
„Ah, das wirst du überleben“, beruhigte sie ihn. „Du siehst mir ganz groß und stark aus. Und blass bist du auch nicht um die Nase.“
Da sie stehen blieb und keine Anstalten machte weiter zu gehen, beschloss Lucas, mutig zu sein.
„Du bist nicht zufällig auf dem Weg ins Restaurant?“
„Doch, genau.“ Sie nickte. „Du auch? Ich wollte mir nur was zum Mitnehmen holen.“
„Perfekt, ich auch“, sagte er sofort. „Dann langweilen wir uns wenigstens nicht beim Warten.“
Sie musterte ihn kurz, und wahrscheinlich war ihr gar nicht klar, wie kritisch ihr Blick war. Offenbar fiel das Ergebnis aber zu seinen Gunsten aus.
„Na schau, manchmal hat’s Vorteile, von schusseligen Frauen umgerannt zu werden“, sagte sie und ging voran ins Restaurant.
Lucas ließ den Blick an ihr hinunter wandern. Sehr vielversprechend diese schusselige Frau, von vorne wie von hinten. Damit folgte er ihr zurück ins Restaurant.
Das Restaurant hatte sich mittlerweile deutlich geleert. Der Besitzer, Herr Tanaka hieß er, wie Lucas wusste, kam auf sie zu und begrüßte beide herzlich.
„War es denn nicht genug?“, fragte er Lucas. „Haben die Jungs zu viel gegessen?“
Verblüfft sah seine Begleitung von einem zum anderen.
„Ja, die sind einfach so verfressen, da brauch ich noch einen kleinen Nachschlag“, sagte Lucas ungerührt.
„Das kriegen wir hin. Trinken wir einen kleinen Pflaumenwein?“, fragte Herr Tanaka. Er sagte immer wir, aber er trank nie einen mit.
„Für mich nicht“, sagte Lucas.
„Ja, den trinken wir sehr gern“, sagte sie. „Und ich weiß schon, was ich bestellen möchte.“ Sie nannte ihm ihre Zusammenstellung. Lucas bestellte nur zwei Maki.
„Warst du heute schon mal hier?“, fragte sie, als sie sich an einen kleinen Tisch setzten, um auf das Essen zu warten.
„Äh, genau genommen komme ich gerade von hier. Aber ehrlich, wenn du einmal mit meinen Neffen Sushi essen warst, würdest du dich nicht wundern, dass ich noch was vertragen kann“, sagte er ohne das kleinste schlechte Gewissen gegenüber seinen Neffen. Der Zweck heiligte die Mittel.
„So so“, sagte sie und konnte ein breites Grinsen nicht zurückhalten.
„Ich bin übrigens Lucas“, stellte er sich vor.
„Isabelle.“
„Und du kommst auch öfters her?“
„Ach ja, ziemlich regelmäßig“, sagte sie nickend. „Dir bin ich noch nie hier begegnet, aber du scheinst auch Stammgast zu sein.“
„Bin ich. Seit zehn Jahren.“
„So lange kenne ich das Restaurant gar nicht.“
„Jetzt kennst du zumindest einen der ältesten Stammgäste“, sagte Lucas.
„Hast dich aber gut gehalten“, versicherte sie.
„Danke. Das liegt an den Algen.“ Er lehnte sich leicht in seinem Stuhl zurück und streckte die Beine aus. Nach all den ernsten Gedanken, die er sich heute hatte machen müssen, entwickelte sich dieser Abend unerwartet erfreulich.