München I love you Lulu

Kapitel 4: München, I Love You!

In Allgemein, München, I Love You!, News, Stories by Marena

Love It All Figurine ist am Lesen


"München, I Love You"
#lebensglücktrotzpandemie

Kapitel 4:

Kati

Kati und Tim trafen sich in der Riva Bar im Tal, weil Tims Kanzlei um die Ecke lag.
„Schon merkwürdig“, sagte Kati, als sie an ihrem Tisch saßen, „wenn man in den Restaurants plötzlich eine Armlänge Platz zum Nachbartisch hat. Gerade hier, wo es sonst so voll ist.“
„Stimmt.“ Tim nickte. „Am Wochenende haben sich die Menschen noch auf dem Viktualienmarkt gedrängt und gefeiert, aber heute habe ich schon den Eindruck, dass ein Großteil der Leute schlagartig vorsichtiger geworden ist seit Sonntag.“
„Ja, mal sehen, ob das ausreicht und wir an Maßnahmen wie in Italien noch vorbeikommen“, sagte Kati und lächelte der Kellnerin zu, die die Karten brachte.
„Ich fürchte nicht“, sagte Tim, „wenn man sich die exponentielle Kurve der Verbreitung vor Augen ruft. Wir haben unsere Angestellten fast alle ins Home-Office geschickt. Wir Partner wechseln uns im Notdienst ab.“ Er grinste. „Allerdings hat eine Sekretärin schon angeboten, vormittags ins Büro zu kommen, nachdem wir sie laufend anrufen mussten, weil wir mit der Telefonanlage oder sonstigen Dingen nicht richtig zurecht kamen.“
Kati lachte.
„Die meisten Präsenztermine mit Mandanten konnten wir auf Telefonate umlegen“, fuhr er fort.
„Was ist denn mit Gerichtsterminen?“, überlegte Kati.
„In zwei Bereichen haben wir kaum welche. Ausgerechnet in meinem Bereich, im Arbeitsrecht, haben wir natürlich immer wieder Gerichtsverhandlungen, in dieser Woche habe ich aber keine. Bleibt abzuwarten, wie sich das regeln wird.“
„Wahnsinn.“ Sie schüttelte den Kopf. „Man macht sich gar nicht klar, wo das überall Auswirkungen hat.“ Dann rieb sie sich die Hände. „Jetzt wollen wir uns aber etwas Schönem widmen. Dem Essen.“
Tim vertiefte sich ebenfalls in die Karte.
„Was machst du denn beruflich“, fragte er, als sie ihre Pizzen und den Wein bestellt hatten.
„Ich bin Grafikerin und Webdesignerin. Ich arbeite in einer Agentur als Designerin und teilweise auch als Programmiererin.“ Sie zog die Nase kraus. „Letzteres mache ich nicht so gern, aber ich kann es nunmal. Da bindet mich mein Chef gern mit ein bei Aufträgen.“
„Ah, damit kenne ich mich gar nicht aus, weder Webdesign noch Programmieren. Sicher abwechslungsreich.“
„Mh“, machte Kati vage. Sie betrachtete ihn. „Warst du kürzlich im Urlaub? Du bist so gebräunt.“
„Nur bis zum Hals“, sagte er mit einem Zwinkern. „Ich war fast jedes Wochenende in den Berge zum Skifahren. Ich habe eine Wohnung drüben in Brixen.“
„Oh. Das ist in der Nähe von Kitzbühel, richtig?“ Sie war in der Gegend schon im Sommer zum Wandern gewesen.
„Genau. Mit dem Schnee war es ja dieses Jahr mal so mal so. Ich hatte wirklich herrliche Tage zwischendurch“, seine Augen leuchteten begeistert. „Allerdings war ich nicht nur in Kitzbühel, da waren die Verhältnisse vor Fasching nicht so toll. Ich fahre auch gern nach Kaltenbach. Kennst du die Kristallhütte? Da wollte ich nächstes Wochenende mit Freunden hin. Jetzt kann ich das vergessen. Es ist einfach so ein Ärger“, sagte er verdrießlich. „Warst du mal da?“
„Kristallhütte? Nein, ich habe nur davon gehört. Soll sehr schön sein.“ Von den Übernachtungspreisen hatte sie auch gehört, da würde sie sicher nicht so bald eine Nacht verbringen, geschweige denn ein Wochenende.
„Ist es“, bestätigte Tim. „Wo fährst du hin zum Skifahren?“
„Also“, sagte Kati langsam, „ich weiß, wo bei Skiern vorn und wo hinten ist.“
„Ach, du fährst nicht Ski?“, fragte er völlig entgeistert.
„Tjaaa“, meinte sie nachdenklich, „ich nehme an, Skigymnastik mit Rosi Mittermaier zählt nicht, oder? Da hatte meine Mutter früher die Schallplatte und ich habe mitgemacht.“
Er verschluckte sich an seinem Wein.
„Sorry“, hustete er. „Nein, das kann ich nicht gelten lassen. Aber dann bist du sicher fit und würdest es schnell lernen.“
„Wahrscheinlich.“ Die Vorstellung mit einem Haufen anderer eine vereiste Piste hinunterzustürzen, um darauf die doppelte Zeit an einem Lift anzustehen und wieder hinaufzufahren, motivierte sie nicht besonders. Allerdings hatte sie da vielleicht falsche Vorurteile, denn nahezu all ihre Freundinnen waren begeisterte Skifahrer.
„Ich bin früher mit meinen Großeltern zum Langlaufen gefahren“, meinte sie. „Seitdem sind ich, Schnee und Bretter an den Füßen nicht wirklich vereinbar.“
„Was machst du denn gern?“, fragte er.
„In die Berge fahre ich sehr gern, ich gehe gern Touren.“
„Skitouren?“
„Äh, nein, da müsste ich ja irgendwie wieder runter, und du weißt ja, Bretter an den Füßen. Nein, ich meine Bergtouren. Karwendel ist schön, Wilder Kaiser. Letztes Jahr bin ich mit Freunden zur Gotzenalm hochgelaufen und dann hinunter zum Königssee. Das kann ich nur empfehlen. Der Blick auf den Watzmann ist großartig.“
„Klingt schön“, meinte Tim. „Bergtouren sind nicht so meins.“
Ihre Pizzen kamen. Kati schnupperte.
„Mh, herrlich. Also, Guten Appetit.“ Nach dem ersten Bissen sagte sie: „Im letzten Sommer habe ich das Standup Paddeling entdeckt. Ich gestehe, ich hab das für langweiligen Kram gehalten, aber das macht wirklich Spaß, und wenn’s bisschen Wind gibt, muss ich ganz schön ackern auf dem Board.“
„SUPen ist großartig“, stimmte er erfreut zu. „Das mache ich auch häufig. Mal sehen, das können wir auf jeden Fall mal zusammen machen, wenn es wieder wärmer wird. Überhaupt könnten wir, wenn du Lust hast, an einen der Seen fahren, Starnberger See zum Beispiel. Das bietet sich an, wenn wir die Lokale meiden sollen.“
Sie gingen beide gern zu Ausstellungen, wie sie weiterhin feststellten, liebten die Wiesn und New York, und sie waren beide Einzelkinder. Seine Eltern lebten die Hälfte des Jahres auf Fuerte Ventura.
„Die sind zum Glück noch richtig fit, fahren dort mit dem Rad, spielen Golf. Sind deine Eltern noch fit?“
„Ja. Meine leben die Hälfte des Jahres in ihrem Haus in Münster“, sagte Kati.
„Und die andere Hälfte?“
„Die verbringen sie im Garten hinterm Haus“, erklärte sie grinsend. „Sie werkeln und jäten dort umeinander wann immer es geht. Die Gartenarbeit hält sie auf jeden Fall fit. Radfahren tun sie auch.“
„Du hattest wirklich Hunger“, stellte Tim fest, als die leeren Teller abgeräumt wurden.
„Na sicher“, sagte sie. „Ich fahre täglich zur Arbeit mit dem Fahrrad, das ist noch ein Stück hinter Unterföhring. Da muss man bei Kräften bleiben. Mit wie vielen Partnern hast du die Kanzlei?“, fragte sie dann.
„Mit drei anderen.“ Er teilte den Rest Wein auf. „Wir haben zu zweit angefangen. Mittlerweile haben wir fünfundzwanzig Mitarbeiter. Ich muss sagen, da bin ich auch stolz drauf“, sagte er, bevor sie noch den Mund aufmachen konnte. Dann hielt er im Eingießen kurz inne. „Ich finde, das darf man sein“, fügte er hinzu.
„Klar“, sagte sie etwas verblüfft und nahm ihr Glas. Wie unsicher wir doch alle manchmal sind, dachte sie. „Cheers.“
Als Tim sein Glas absetzte, musterte er sie einen Moment sehr genau.
„Hast du derzeit eine Beziehung?“
„Eine – nein.“ Kati blinzelte verblüfft. „Hast du denn eine?“
„Nein“, sagte er. „Ich wollte das nur klargestellt haben, sonst wäre ich nämlich nicht weiter interessiert. Es ist ja nicht selbstverständlich, wenn man sich mit jemandem trifft, dass es da nicht jemanden anderen gibt.“
Das war nicht zu leugnen.
„Da hast du recht.“
Überrascht stellte sie fest, dass es schon zehn Uhr war.
„Ich muss nach Hause, Lulu fängt sonst an zu weinen. Lulu ist ein Dackel“, erklärte sie auf seinen verwirrten Blick hin. „Ich hab sie heute zu Hause gelassen und nur vorhin ein bisschen mit ihr gespielt, bevor ich wieder los bin. Sie ist sonst nie soviel allein. Wenn ich jetzt nicht bald heim komme, dann bricht bei ihr ein Drama aus. Vor allem, weil sie es liebt, unter Leute zu kommen.“
„Ein geselliger Dackel also“, sagte er.
„Die kann gar nicht genug Gesellschaft haben. The more the merrier. Hast du ein Haustier?“
„Nein“, sagte er kopfschüttelnd, „in der Großstadt kann ich mir das nicht vorstellen. Ich bin viel zu viel unterwegs.“
„Ja, das ist in der Tat immer ein Thema. Ich nehme sie sehr oft mit. Sie ist allerdings schon eine ältere Dame, ich habe sie schon seit sieben Jahren. Aber das merkt man ihr nicht an.“ Kati hob einen Arm und spannte ihn schwarzeneggermäßig an.
Mit einem Schmunzeln sah er sich nach dem Kellner um.
„Ich habe auch morgen früh einen Termin. Dann zahlen wir mal. Darf ich dich einladen?“
Sie fand es nett, wie er fragte.
„Vielen Dank, gern.“
Draußen vorm Riva schauten sie einander an.
„Ich fand, es war ein sehr schöner Abend“, sagte Tim. „Würde mich wirklich freuen, wenn wir das sehr bald wiederholen.“
„Das machen wir.“
Nach kurzem Zögern nahm er ihre Hand.
„Mit diesem Corona ist das wirklich ungewohnt, sich näher zu kommen“, sagte er und ließ seinen Blick auf ihren Lippen ruhen.
Sie waren gut miteinander ausgekommen, sie hatten beide einen Schwips und sie fand ihn noch immer sehr attraktiv. Sie hätte gern gewusst, wie sich ein Kuss von ihm anfühlte. Denn so ganz sicher war sie sich nicht, inwieweit die Chemie zwischen ihnen stimmte. Ihre Hand in seiner war jedenfalls ein sehr angenehmes Gefühl.
„Irgendwie aber auch spannend“, sagte sie schließlich und drückte seine Hand. „Oder zumindest“, sie tippte sich an die Nase, „muss man es dazu machen.“
Er lachte.
„Du bist gut. Wie kommst du heim? Soll ich dich rumfahren?“
„Danke, aber ich wohne nicht weit weg“, sagte sie. „Da gehe ich zu Fuß.“
„Alles klar. Dann komm‘ gut nach Hause und schlaf‘ gut.“
„Du auch. Bis bald.“
Gut gelaunt ging Kati heimwärts. Die Unterschiede zwischen ihnen mal beiseite gelassen, würde sie sich diesen Mann gern noch einmal anschauen.

Marta

Um Mitternacht schreckte Marta aus dem Schlaf. Das Handy neben dem Bett brummte wiederholt. Seit Silvie in Charlotte war, hatte Marta es immer auf dem Nachttisch liegen.
Es war der Austauschleiter in USA und Marta überkam sofort ein ungutes Gefühl.
„Mrs. Lehnert“, sagte Mr. Craig, als sie sich meldete. „Entschuldigen Sie, dass ich Sie störe. Ich wollte Ihnen keine Email schicken, weil ich Sie lieber persönlich sprechen wollte.“
„Ist etwas passiert?“
„Mit Ihrer Tochter ist alles gut soweit“, beruhigte sie Mr. Craig.
Marta stieg aus dem Bett, um Theo schlafen zu lassen und ging hinaus ins Wohnzimmer.
„Mrs. Lehnert, auch wir haben hier jetzt die Covid-Sorge. Die ersten Fälle sind in Californien aufgetreten.“
„Ich habe davon gelesen“, sagte Marta.
„Es ist noch nicht offiziell, aber die Schule wird nach den Ferien geschlossen bleiben.“
„Oh nein.“ Marta wurde nervös. „Sie freut sich schon auf die Schule. Sie hat sich zwischen Weihnachten und jetzt endlich so gut eingefunden.“ Vielleicht könnte Silvie bei der Familie ihrer Schulkameradin bleiben. Davon würde sie nicht begeistert sein, dachte Marta, nach dem letzten Telefonat, dass sie mit Silvie geführt hatte. „Silvia ist noch in Puerto Rico.“
„Ich weiß. Mrs. Lehnert, ich möchte Sie nicht unnötig beunruhigen, aber ich würde Ihnen dringend raten, Ihr Kind nach Hause zu holen. Das wird nicht bei der Schulschließung bleiben, die Flughäfen werden vielleicht geschlossen werden oder zumindest die Flüge gecancelt. Ohne Schule kann sie nicht bei ihrer Gastfamilie bleiben, selbst, wenn das nach den Maßnahmen erlaubt sein sollte.“
Das versetzte Marta in Aktivitätsmodus.
„Verstehe. Ich werde sofort versuchen, einen Rückflug zu buchen.“
„Setzen Sie sich mit Caitlyn in Verbindung, sie ist bereits damit beschäftigt, die Kids auf Flüge zurück zu buchen. Sie wird Ihnen behilflich sein.“
„Ja, danke.“
Nach dem Gespräch saß Marta auf dem Sofa und überlegte. Dann wählte sie die Nummer von Caitlyn, der Sekretärin des Austauschanbieters.
Sie hing eine ganze Weile in der Warteschleife, aber dann kam sie durch.
„Oh, hei Mrs Lehnert“, begrüßte sie Caitlyn, „wir sind hier schon bei der Arbeit.“
„Schließen denn die Flughäfen schon?“
„Das Risiko ist da. Es wurden schon viele Flüge gecancelt“, sagte Caitlyn. „Ich versuche, Ihre Tochter save nach Hause zu bekommen, das heißt, wir wollen möglichst keinen Flug über Chicago oder New York. Ich habe schon einen Flug rausgesucht, der direkt von San Juan nach Frankfurt geht. Von dort fliegt sie dann weiter nach München.“
„Das ist toll. Wann geht der Flug?“
„Der würde morgen Abend rausgehen. Machen Sie sich keinen Sorgen, Mrs Lehnert, es ist alles geregelt. Sagen Sie Ihrer Tochter, sie soll ihre Koffer rechtzeitig gepackt haben, es wird alles gut.“
„Okay“, sagte Marta, noch nicht beruhigt. „Schicken Sie mir die Flugdaten, ja?“
„Natürlich. Ich muss jetzt den nächsten Anruf annehmen. Alles Gute, Mrs. Lehnert.“
Marta legte auf und atmete tief aus. Das war reibungsloser gelaufen, als sie erwartet hatte. Hoffentlich blieb das auch so. Später würde sie Silvie anrufen. Die würde nicht begeistert sein. Silvie hatte sich riesig gefreut, als sie von ihrer Schulkameradin über Spring Break eingeladen worden war. Vor allem, weil sie an Weihnachten ganz allein gewesen war. Allerdings hatte sie eine überraschende Erfahrung gemacht, als sie in Puerto Rico ankam. Wie sie am Telefon berichtete, hatten sich dort viele von dem Erdbeben vor ein paar Jahren immer noch nicht erholt. Das Haus ihrer Freundin war nur notdürftig repariert, die drei Geschwister schliefen in einem Bett zusammen und Silvie auf einer Luftmatratze davor.
„Die Strände sind toll“, hatte Silvie gesagt, „alles andere habe ich mir so gar nicht vorstellen können.“
Obwohl sie sich gut verstanden, hatte sich Silvie nach zwei Wochen sehr auf die Rückkehr zur Schule gefreut. Jetzt würde sie also erfahren, dass sie direkt nach Hause musste.
Marta sah auf die Uhr. Am besten sie rief gleich Silvie an. Sie hatte Glück und ihre Tochter ging nach dem dritten Klingeln schon ran.
„Hi Mom“, sagte sie.
„Hallo Schatz. Wie war dein Tag?“
„Okay. Wir waren am Strand. Eben haben Lucia und ich Abendessen für alle gekocht. Das war wirklich lecker, ich werde das für uns mal kochen, wenn ich wieder da bin.“
„Mhm, sehr schön. Silvie, das könnte etwas früher sein, als dir lieb ist.“
Sie erzählte Silvie knapp die Situation.
„Es gibt keinen Grund, dir Sorgen zu machen, aber wir müssen dich jetzt zurückholen.“
„Ach Mann, ich wäre doch noch bis zum Sommer dort gewesen.“
„Ich weiß, es freut mich auch, dass es dir so gut gefallen hat.“
Silvie stöhnte genervt.
„Meinst du wirklich, das ist alles so schlimm?“
„Keine Ahnung, ehrlich. Aber darauf kommt es nicht an. Wichtig ist, dass die eventuell die amerikanischen Flughäfen schließen und Touristen das Land verlassen müssen. Wenn die Schule nicht mehr geöffnet ist, kannst du nicht dort bleiben.“
„Wie doof.“
„Ich find’s auch doof.“ Vor allem, wenn sie an die Kosten dachte, die da zusammen kamen. „Aber Hauptsache, wir holen dich sicher nach Hause.“
„Okay“, meinte Silvie schließlich. Gottseidank war Silvie von einem grundsätzlich ausgeglichenen Naturell. Schlechte Laune hielt bei ihr selten lange an.
„Mach’s gut Schatz. Grüß Lucia und Familie.“
„Gute Nacht, Mom. Grüß Papa.“
Als Marta sich wieder ins Bett legte, raschelte es neben ihr.
„Alles in Ordnung?“, fragte Theo verschlafen.
„Nein, aber ich hoffe, dass alles gut geht“, sagte Marta und erzählte ihm, was vorgefallen war.
„Die hat den Flug also gebucht, wir müssen uns nicht darum kümmern?“, hakte Theo nach.
„Ja. Freitag Abend von San Juan nach Frankfurt.“
„Sie soll uns die Bestätigung schicken.“
„Habe ich ihr bereits gesagt“, sagte Marta.
„Gut.“ Er rückte sich zurecht. „Dann haben wir also gute zwei Monate umsonst gezahlt.“
„Meinst du, das Geld bekommen wir nicht zurück? Vielleicht wenigstens einen Teil.“
„Denke nicht“, meinte er nüchtern. „Die können nichts dafür, dass sie nicht mehr leisten können. Einen Teil könnten sie rausrücken müssen, was sie sich an Kosten ersparen.“
„Also, ich werde mal mit denen telefonieren“, sagte Marta.
„Aber erst, wenn Silvie wieder hier ist.“
„Ja, das warten wir erst ab“, stimmte sie zu. „Ich hab mit Silvie gesprochen. Sie war nicht begeistert. Ich soll dich schön grüßen.“
„Danke.“ Theo gähnte. „Das ist also geregelt. Dann können wir ja weiterschlafen.“
„Ich bin noch nicht wirklich beruhigt.“
„Mhm“, machte er. „Das war mir klar. Aber jetzt haben wir doch den Flug für sie. Sie ist sicher und gesund bei Sonne, Strand und netten Leuten – wenn auch nicht zu dem Standard, den unser Fräulein gewohnt ist, aber das ist auch mal nicht verkehrt. Morgen kann sie sich noch einen schönen Tag machen und dann ist sie wieder zu Hause.“
„Das klingt sehr einfach.“
„Seien wir froh drum. Gute Nacht, Schatz.“
„Gute Nacht.“
Marta starrte noch eine Weile ins Dunkel, bevor sie entschlossen die Augen zu machte. Sie war noch lange nicht beruhigt, nur weil alles so reibungslos zu laufen schien. Das würde ihr erst gelingen, wenn Silvie wieder da war.