München Theo LoveItAll

Kapitel 3: München, I Love You!

In Allgemein, München, I Love You!, Stories by Love It All Team

Love It All Figurine ist am Lesen


"München, I Love You"
#lebensglücktrotzpandemie

Kapitel 3:

Lea

Es war erst der dritte Tag mit Home-Schooling, und er war noch nicht einmal halb rum, aber Lea war bereit, ihre Familie an den nächsten Interessenten zu verkaufen.
„Da würde man denken, dass die Jungs doch jetzt in einem Alter sind, wo sie einigermaßen selbständig sind, aber nee“, machte sie ihrem Ärger bei ihrer Cousine Marta am Telefon Luft. „Bis ich die aus dem Bett hatte, gab’s schon mal den ersten Krach. Ich selbst stehe jetzt immer eine Stunde früher auf, damit ich joggen gehen kann. Erstens komme ich später nicht mehr dazu und zweitens hoffe ich, dass ich dadurch stärkere Nerven habe für den Tag. Aber die bewegen sich wirklich erst, wenn ich laut werde. Dann trödeln sie im Bad und am Frühstückstisch rum, obwohl sie längst an ihren Schulaufgaben sitzen müssten. Und dieses dumme Email System funktionierte die letzten zwei Tage auch nicht richtig, da haben sie sich natürlich diebisch gefreut. Alle zwanzig Minuten muss ich nachsehen, ob sie wirklich was tun oder Löcher in die Luft starren.“
„Du kannst sie nicht dauernd kontrollieren“, sagte Marta, „da wirst du wahnsinnig. Die müssen das auch ein wenig selbst hinbekommen.“
„Aber ich will nicht, dass sie einfach gar nichts tun. Mich nervt es nämlich, wenn sie sich hier langweilen und durch die Wohnung tigern, weil sie nicht wissen wohin mit sich.“ Lea seufzte und klemmte das Telefon zwischen Schulter und Ohr, um sich den Pferdeschwanz neu zu binden. „Ich fand mich schon echt lässig, weil ich erlaubt hab, dass sie hier den ganzen Tag in ihren Jogginghosen rumschlumpfen, aber ab morgen hört das auf. Das bekommt ihnen gar nicht.“
Marta lachte.
„Wo sind sie denn jetzt?“
„Angeblich noch bei den Schulaufgaben. Sie haben so viele Hobbies, aber nein, es muss das Handy sein, sobald sie Pause haben. Gottseidank dürfen sie noch draußen sein. Ich werd sie nach dem Mittagessen raus schicken. Denn seit heute ist auch noch Markus hier, weil bei ihm Home-Office angeordnet wurde.“ Sie schob ihren Laptop auf dem Küchentisch zur Seite. „Er residiert jetzt in unserem Wohnzimmer, und ich habe die Auswahl zwischen Schlafzimmer und Küche, um meine Übersetzungen zu machen.“ Lea arbeitete als Freelancerin und übersetzte Texte aus und ins Französische. „Ich komme aber kaum einen Absatz weit, weil alle fünf Minuten jemand was von mir will. Das bin nämlich gar nicht ich, die dauernd kontrolliert. Ich möchte meine Ruhe.“
„Da kann ich ja froh sein, dass Silvie in den USA ist“, sagte Marta. „Dabei mache ich mir wirklich Sorgen, was sich da tut. Hast du das mit all den Waffenkäufen gelesen? Ich überlege dauernd, ob sie nicht zurückkommen soll. Theo findet das Ganze natürlich übertrieben und meint, es sei noch kein Grund, sich große Sorgen zu machen. Der hört mir sowieso nicht zu.“ Jetzt war es Marta, die die Luft ausstieß. „Derzeit haben sie Schulferien und Silvie ist zu Besuch bei einer Mitschülerin und deren Familie in Puerto Rico. Sie ist sechzehn, natürlich mache ich mir Sorgen, wenn in den USA auch Maßnahmen getroffen werden.“
„Hat Theo denn sein Büro noch offen?“
„Ja, sind noch alle dort. Sie haben gerade ein wichtiges Projekt, dass bis morgen fertig sein muss. Ich bin ja dankbar, dass es noch läuft. Ein paar seiner Kunden haben schon angemeldet, dass sie in Schwierigkeiten geraten durch die Lage und eventuell Projekte erstmal aufschieben werden.“ Martas Mann hatte eine Werbeagentur. „Aber, dass er im Büro verräumt ist, hindert ihn überhaupt nicht, mir ständig irgendwelche Aufträge per WhatsApp zu senden, weil es ja sein könnte, dass ich sonst nichts zu tun habe.“
„Was ist denn mit deinem Büro? Arbeitest du von zu Hause oder gehst du noch hin?“, fragte Lea. Ihre Cousine arbeitete an zwei Vormittagen die Woche für eine Recruiterin.
„Ist noch offen, dem Himmel sei Dank. Ich hoffe auch, dass einer von uns weiterhin außerhäusig arbeiten wird. Ehrlich, ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie das wird, wenn wir beide hier aufeinander hocken sollten.“
„Das wird schon, siehst ja, wie glücklich ich bin“, sagte Lea. Prompt steckte ihr Ältester den Kopf zur Tür herein.
„Mama, das WLAN geht nicht.“
„Gar nicht?“
„Total langsam.“
„Wahrscheinlich, weil alle im Home Office sind und im WLAN.“
Philip stöhnte theatralisch und kam herein. Lea ließ das Telefon sinken.
„Ich kann’s nicht ändern, Schatz, ich bin nicht die Telekom. Wie weit bist du denn mit den Schulaufgaben?“
Er zuckte die Schultern.
„Fertig.“
„Ihr habt wirklich nicht genug zu tun“, sagte Lea kopfschüttelnd. „Es ist noch nicht mal ganz zwölf Uhr. Dann lies doch was.“
„Hab die letzten zwei Tage gelesen, bin durch mit dem Buch“, brummte Philip und machte den Kühlschrank auf.
„Dann geh raus an die frische Luft.“
„Du hast mir verboten, an den Eisbach zu gehen. Und meine Freunde haben Verbot, sich mit anderen zu treffen.“
„Joggen?“
„Mama, rumrennen ist voll langweilig, wenn kein Ball dabei ist.“
„Was macht Sven?“
„Spielt mit dem Handy, weil er die Mathe-Aufgabe nicht kapiert.“
„Sag ihm, ich komme gleich. Mach den Kühlschrank zu, der Käse wird dir auch nicht erzählen, was du unternehmen kannst.“
Ergeben ließ Philip die Tür zufallen.
„Okay“, sagte Lea, „ich mache gleich Mittagessen. Dann nehmt eure Skateboards, du kannst mit Sven in die Stadt und ihr dürft euch jeder ein neues Buch kaufen. Mathe mache ich mit Sven heute, wenn ihr zurück seid.“
„Okay“, sagte Philip.
„Ich finde, ich bin sehr entgegenkommend“, sagte Lea.
Ihr Sohn schenkte ihr ein schiefes Grinsen.
„Du bist großartig.“ Damit latschte er aus der Küche.
Kopfschüttelnd nahm Lea ihr Telefonat wieder auf.
„Entschuldige.“
„Kein Thema, ich fühle mit dir.“
„Ich muss wirklich dringend die Übersetzung fertig machen, aber jetzt werde ich erstmal kochen.“
Die Tür ging auf und Markus kam hereinspaziert.
„Was gibt’s denn heute zum Mittag?“
„Frag deinen Sohn, der hat gerade eingehend mit dem Kühlschrank kommuniziert“, sagte Lea knapp.
„Ich spüre hier eine gewisse Gereiztheit“, stellte ihr Mann fest und holte sich eine Flasche Wasser aus dem Wasserkasten. „Dann geh ich mal wieder. Ich hab gleich noch einen Call bis viertel vor eins.“
„Oh Mann“, sagte Lea, sobald die Tür zu war. „Diese Wohnung ist komplett überbevölkert!“
„Halte durch, meine Liebe“, sagte Marta.
„Das kann wirklich nicht die ganzen nächsten Wochen so laufen“, sagte Lea. „Ich muss hier Struktur reinbringen. Gabriele sagte, sie hat zu Hause Ruhe, denn ihre beiden Mädels sitzen nach den Aufgaben entweder auf dem Bett und chatten oder schauen Netflix. Das kann es nicht sein, dass ich die Jungs tagaus tagein Filme und Serien schauen lasse.“
„Also Brigitte“, informierte Marta sie, „postet seit drei Tagen auf Instagram ständig die glückliche Familie am Frühstückstisch, den Smoothie für zwischendurch, die Familie auf dem Balkon beim Aperitif und so weiter.“
„Das heißt, sie und ihr Mann können sich jetzt schon nicht mehr ertragen“, sagte Lea trocken. „Je schlechter es bei denen läuft, desto emsiger poliert sie an der Fassade, das kennen wir doch schon.“
„Ich glaube, die nächsten Wochen werden für viele eine harte Probe“, sagte Marta. Dann stockte sie. „Wieso kommt Theo denn um diese Zeit nach Hause?“, wunderte sie sich in unheilschwangerem Ton. „Ich mach mal Schluss. Bis bald.

Marta

„Theo?“, rief Marta aus dem Wohnzimmer und stand vom Tisch auf. Als sie in den Flur trat, sah sie Theo, der mit verdrießlicher Miene eine Nachricht in seinem Handy las.
„Was machst du denn hier?“, fragte Marta.
Er sah kurz auf.
„Hallo. Ach, ich hab heute früh die Unterlagen für meinen Termin heute nachmittag liegen lassen.“
„Ah“, machte Marta. „Musst du gleich wieder los oder möchtest du mit essen? Ich hab vorhin Salat und Burrata angemacht.“
„Danke“, sagte er und steckte das Handy weg. „Aber ich muss gleich wieder los.“ Er ging an ihr vorbei ins Wohn- und Esszimmer und suchte aus einem Ablagekorb einen Hefter heraus.
„Sag mal, kannst du am Montag vormittag mit ins Büro kommen?“, fragte er, während er den Hefter durchblätterte. „Wir werden alles ins Home-Office verlegen und ich muss die Leute organisieren und meine Sachen transportieren. Wir könnten Hilfe gebrauchen.“
„Montag bin ich doch im Büro“, sagte Marta.
Überrascht und leicht ungehalten sah Theo auf.
„Gehst du da jetzt noch hin?“
„Natürlich, es ist ja noch offen und alle gehen hin“, erwiderte Marta gereizt. War ja klar, dass er ihren Job wieder nicht ernst nahm. „Ihr wart bisher doch auch alle vor Ort. Wieso hast du jetzt anders entschieden?“
„Weil das vernünftiger ist und wir das meiste schon irgendwie über Home-Office regeln können“, sagte Theo. „Ein Teil des Teams ist entspannt, aber die anderen sind nervös. Wir können vor allem platztechnisch nicht den nötigen Abstand gewährleisten.“ Er steckte den Hefter in seine Aktentasche. „Wir haben bereits reduziert. Wirklich nur die, die an der jetzigen Deadline arbeiten, kommen ins Büro. Ich hab trotzdem genug Ärger, weil der werte Anton Gernhuber den Herzkasperl kriegt und mir heute erklären wollte, dass er sich weigert, ins Büro zu kommen.“
Marta lehnte sich gegen den Türrahmen und betrachtete ihren Mann. Er war eher mittelgroß, aber breitschultrig. Auch bei Ärger blieb er kontrolliert und wurde selten laut, aber er bekam in Sekundenschnelle sein „no-nonsense“ Gesicht. Von den charmanten Lachfältchen war dann keine Spur mehr. Sie konnte sich vorstellen, dass Gernhuber dieses Gesicht heute kennengelernt hatte.
„Was hast du dazu gesagt?“
„Ich hab ihm gesagt, dass er das nicht entscheiden kann und es Arbeitsverweigerung ist, wenn er einfach nicht ins Büro kommt. Wir haben morgen eine Abschlussbesprechung für einen Auftrag, bei der er dabei sein muss, weil er für den Auftrag größtenteils verantwortlich sein wird und das auch unbedingt wollte. Alle reißen sich gerade zusammen“, fuhr er genervt fort, „nur diese Pfeife diskutiert heute ewig mit mir und ist dabei von uns der jüngste mit seinen siebenundzwanzig Jahren. Und der fitteste. Absolut nicht die Risikogruppe.“
„Kommt er jetzt zum Termin?“
„Ich hab ihm gesagt, er kann Home-Office machen, weil ich nicht gebrauchen kann, dass er aus schlechter Laune heraus den Termin vermasselt, aber zum Meeting ist er da.“ Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Am Montag nimmt jeder mit, was er braucht. Ab da arbeiten wir von zu Hause aus.“
Er ging wieder in den Flur zur Wohnungstür.
„Also schlechte Stimmung im Büro?“, fragte Marta und folgte ihm.
„Nee, eigentlich gar nicht. Deswegen ist sein Drama so überflüssig in diesen Tagen.“
„Ich kann Emma anrufen, ob ich morgen ins Büro kommen könnte statt Montag“, sagte Marta. „Ich muss ein paar Dinge erledigen für sie, die ich nicht aufschieben kann. Ansonsten bin ich Montag ab Mittag bei euch und helfe. Ich kann sicher auch etwas früher aus dem Büro gehen.“
Theo nickte.
„Es reicht, wenn du mittags dazu kommst. Wir werden morgens erst zusammenpacken und ich muss sicher auch eine Teambesprechung machen, das möchte ich lieber persönlich vor Ort statt online.“
Typisch. Hätte sie sofort alles umgeschmissen, hätte sie den Vormittag Däumchen gedreht, bis sie wirklich gebraucht wurde.
„Ich bin dann auf jeden Fall da.“
„Danke“ sagte ihr Mann, gab ihr einen Kuss und war mit den Gedanken bereits woanders. „Bis später.“ Damit war er aus der Tür.
„Gern geschehen“, murmelte Marta.

München, I love you! Zimtschnecke

Lucas

Um halb zwölf schaute Lucas das erste Mal bewusst auf die Uhr. Auch wenn er und seine Mitarbeiter darauf achteten, dass die Gäste im Café mit genügend Abstand zueinander saßen – sie hatten am Morgen Tische entfernt – und nie zu viele auf einmal im Raum waren, hatten sie wie immer alle Hände voll zu tun gehabt. Auch die anderen Restaurants, die sich die Wörthstraße hinunter reihten, waren gut besucht, vor allem die Außentische. Draußen hatte das „Coffee Addicts“ nur wenig Platz für Tische und sie waren alle besetzt. Die Leute schienen die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, noch so oft es ging ausnutzen zu wollen. Die Straße lag friedlich im Frühlingssonnenschein, allerdings war sie merklich weniger befahren. Am meisten fiel Lucas eine Veränderung auf, wenn die Tram vorbeifuhr. Egal, zu welcher Zeit, die Wagen waren fast leer.
Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass Isabelle bisher nicht aufgetaucht war. In gut einer Stunde würde er in die Filiale nach Schwabing fahren. Ob sie wohl noch kam?
Ihm fiel ein wichtiger Punkt ein, den er mit seinem Geschäftspartner heute Abend besprechen musste und machte sich eine Notiz ins Handy.
„Wird man hier auch bedient?“
Irritiert sah er vom Handy auf. Isabelle stand vor ihm und lachte ihn an.
„Hei“, sagte er und lächelte. „Du bist also doch noch gekommen.“
„Ich wollte schon viel früher da sein“, sagte sie freimütig, während sie ihren Mantel auszog und sich über den Arm hängte „aber es hat einfach nicht geklappt, ich musste noch ein paar Sachen erledigen.“
„Alles gut. Schön, dass du da bist. Was möchtest du denn haben?“
„Einen Flat White bitte, normal groß und natürlich eine Zimtschnecke, wenn noch welche da sind.“
„Soeben nochmal frisch reingekommen. Sandra, eine Zimtschnecke für die Dame“, sagte er zu seiner Mitarbeiterin. „Setz dich ruhig, ich bring dir gleich den Kaffee und trinke einen mit.“
Isabelle ging zu einem der Hochstühle vor dem Fenster hinüber. Sehr hübsch sah sie heute wieder aus, fand er. Meterlange Beine, so wirkte es jedenfalls in der schwarzen Hose, die sie trug.
Gleich darauf kam er mit ihrem Flat White und einem schwarzen Kaffee für sich an ihren Platz.
„Bitte sehr, mit Hingabe zubereitet“, meinte er zwinkernd. Als er ihre Tasse hinstellte, berührte er beiläufig ihre Hand. Sie roch auch gut, stellte er fest, als er so dicht neben ihr stand.
Er setze sich auf den Stuhl neben ihr so hin, dass er sie anschauen konnte. Sie lächelte, ein wenig aufgeregt schien ihm, und strich sich die glänzenden, dunklen Haare über die Schulter zurück.
„Wie geht’s dir“, fragte er.
„Ach, bisher gut. Seit gestern bin ich auch im Home-Office.“ Sie nahm einen Schluck Kaffee und summte genussvoll. „Sehr gut, ich schmecke die Hingabe.“
Sandra kam, und stellte ihr die Zimtschnecke hin.
„Guten Appetit.“
„Danke.“ Isabelle schnupperte. „Die riecht lecker. Möchtest du was davon?“
„Nein danke, ich mag keinen Zimt.“
„Du magst deinen eigenen Bestseller nicht?“
Er zuckte die Schulter.
„Ich mag den Käsekuchen den wir haben.“
„Aha.“ Sie sah sich um. „Ihr habt noch gut zu tun.“
„Ja, aber ich fürchte, nicht mehr lange. Wir sind dabei, schon mal Plan B vorzubereiten.“
Neugierig sah sie ihn an.
„Ach, wie lautet der?“
Er nickte hinüber zum Tresen.
„Wir haben eine Liste ausgelegt und alle unserer Newsletter-Abonnenten angeschrieben, dass man bei uns Kaffee bestellen kann, und wir ihn frisch geröstet am nächsten Morgen vor die Wohnungstür liefern. Auf Wunsch auch unsere Zimtschnecken und die Petit Pains. Erstmal bieten wir das nur für’s Wochenende an, aber zur Not…“ Er machte eine vage Handbewegung.
„Gute Idee! Du glaubst also, sie werden die Gastronomiebetriebe schließen?“, fragte sie dann ernst.
„Wenn das so weiter geht, ja. Warten wir mal ab, ob wir durchgängig geschlossen haben müssen.“
„Ach Mensch, das tut mir leid. Aber“, sie legte ihm spontan die Hand auf seinen Arm, „jetzt habt ihr schon mal die erste Idee, wie es weitergeht. Wer weiß, was noch kommt.“
Sein Blick ging zu ihrer Hand, die angenehm warm war. Bevor sie sie wegziehen konnte, legte er seine darauf und lächelte.
„Wird schon.“
Mist, warum waren sie jetzt hier mitten im lebhaft vollen Café? Er nahm seine Hand weg und sie zog ihre fort.
„Hör mal“, begann er entschuldigend, „es ist so viel los und mein anderer Barrista kommt heute erst nachmittags.“
„Oh, lass dich nicht aufhalten“, sagte Isabelle rasch. „Ich trinke hier gemütlich meinen Kaffee aus und mache mich dann auch wieder an die Arbeit.“
„Also, ich würde lieber noch hier sitzen bleiben“, sagte er. „Wie ist es denn bei dir am Freitagabend, hast du Zeit? Wir könnten uns zu einem Drink treffen, im Negroni zum Beispiel.“
„Da hab ich Zeit, gern“, nickte sie. „Oder auch eine Bar in Neuhausen, wenn du eine gute weißt.“
„Können wir noch ausmachen“, stimmte er zu. „Dann sollten wir aber doch mal die Nummern austauschen, was meinst du?“
Sie musste lachen.
„Ja, das wär eine sinnvolle Maßnahme.“
Sie diktierte ihm ihre Nummer und er wählte sie an, damit sie seine hatte.
„Dann sehen wir uns Freitag.“ Er stand auf und ohne nachzudenken beugte er sich vor und gab ihr einen leichten Kuss auf die Wange.
„Sorry“, sagte er dann, als ihm bewusst wurde, dass sie das in diesen Tagen vielleicht nicht gut fand. Sie war tatsächlich etwas steif geworden, doch dann winkte sie ab.
„Du, wir sind das einfach zu sehr gewohnt, dieses Bussi-Begrüßen und Verabschieden. Und wir haben uns jetzt die ganze Zeit auf vierzig Zentimeter hinweg unterhalten, da ist’s eh schon zu spät, wenn einer von uns den Virus hat. Also, gehen wir davon aus, dass wir’s nicht haben“, sagte sie bestimmt.
Lachend legte er ihr die Hand auf die Schulter.
„Haben wir nicht.“
Die nächste Viertelstunde machte das Arbeiten gleich mehr Spaß, weil sie dort am Fenster saß, ihre Zimtschnecke fertig aß und lächelte, wenn sich ihre Blicke trafen.
Als er schmunzelnd einen Cappuccino zubereitete, stieß ihn Sandra leicht in die Seite.
„Da hat aber jemand gute Laune“, sagte sie und grinste ihn von der Seite an.
„Ja, hat jemand“, sagte er nur und grinste zurück. „Muss man sich in diesen Tagen dringend erhalten.“

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