Leben und Liebe in Zeiten der Corona Pandemie

Kapitel 2: München, I Love You!

In Allgemein, München, I Love You!, Stories by Love It All Team

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"München, I Love You"
#lebensglücktrotzpandemie

Kapitel 2:

Kati

Kati radelte nach dem Essen die Prinzregentenstraße hinunter. Es war jetzt dunkel geworden, die frische Luft war herrlich. Sie fuhr am erleuchteten Käfer’s Feinkost vorbei und machte eine mentale Notiz, dass sie hier unbedingt mal wieder hin musste. Es war eher selten, dass sie dazu kam, aber manchmal traf sie sich hier mit einem Freund, der in Haidhausen wohnte. Gemeinsam schlenderten sie dann zwischen den Regalen entlang und suchten nach etwas Besonderem, das sie dann abends zusammen kochten. Als sie zum Friedensengel kam, kreuzte sie hinüber auf den mittleren Grünstreifen. Noch war nicht das Wetter, dass die Leute auf dem Sockel des Friedensengel saßen und picknickten oder ihren mitgebrachten Aperitif tranken. Sie fuhr mit dem Rad um das Monument herum bis zur steinernen Balustrade und stieg ab.
Der Blick war immer wieder schön, fand Kati, auch wenn sie sich fragte, warum eigentlich. Immerhin schaute man auf die stark befahrene Prinzregentenstraße, die sich über die Isar hinweg bis zum Karl-August-Palais hinzog und dann verzweigte. Aber es vermittelte so ein Großstadtflair, vor allem natürlich bei einem herrlichen Sommer-Sonnenuntergang. Bis dahin dauerte es noch ein paar Wochen. Ob wir dann hier unbeschwert sitzen werden wie die letzten Jahre?, fragte Kati sich. Zum ersten Mal seit die Corona-Nachrichten die Kanäle überfluteten, fühlte sie sich bedrückt. Bisher hatte sie gut Stand gehalten.
Sie drehte sich um und sah zu dem erleuchteten Engel hinauf, der auf seinen Säule balancierte und irgendwohin zu eilen schien. Pass mal ein bisschen auf uns auf, bat sie ihn still.
Dann zog sie die Visitenkarte aus der Tasche und sah sie sich genauer an. Anwalt war er, der Tim. Das passte, dachte sie, ohne das negativ zu meinen. Er war attraktiv, fand sie. Wobei dieser andere auch gut ausgesehen hatte, allerdings auf eine ganz andere Art. Der Namenlose war eher der lässige Typ gewesen mit den verwaschenen Jeans, Kapuzenpullover und den Lederbändern ums Handgelenk. Ja, sie konnte Menschen innerhalb eines kurzen Moments umfassend in Augenschein nehmen. Ihr hatte der humorvolle Blick gefallen, als sie bemerkt hatte, dass er sie beobachtete. Aber da hatte sie schon mit Tim ausgemacht, sich zu treffen, da wäre es ihr peinlich gewesen, jetzt noch mit ihm den Kontakt zu suchen. Wer weiß, wozu es gut ist, sagte sie sich. Grübeleien über was hätte sein können waren überflüssig. Der Abend hatte mal wieder ihre Überzeugung bestätigt, man musste nur rausgehen vor die Tür, dann lernte man immer wieder jemand kennen. Ob es der Richtige war, das war eine andere Frage.
Kati hatte sich zum Jahresanfang vorgenommen, dass sie eine Partnerschaft wollte, und zwar eine dauerhafte. Jetzt war es erst März und es lief gut an. Sie stieg wieder auf ihr Fahrrad und fuhr zurück auf die Prinzregentenstraße, hinunter zur Isar. Bei der Brücke angekommen hielt sie noch einmal an.
Sie holte ihre Handy heraus und machte ein Foto über den kleinen runden Platz mit dem noch trockenen Brunnen hinweg zum Friedensengel hinauf.
Danach gab sie Tims Nummer in ihr Handy ein. Sie schickte ihm über WhatsApp das Foto und schrieb eine Nachricht darunter.
Wünsche dir einen schönen Abend, Tim. Bis die Tage auf das Glas Wein. Vielleicht Donnerstag?
Vor Donnerstag hatte sie keine Zeit, ihre Abende waren die Woche schon gut gefüllt mit Yoga und Verabredungen mit ihren Freundinnen.
Sie stieg wieder auf, radelte über die Brücke und bog in die Wiedenmayerstraße. Kati wohnte im Lehel, im eher gediegenen älteren Teil. Sie überquerte noch die Maximilianstraße und kam gleich darauf bei sich zu Hause in der Adelgundenstraße an.
Als sie die knarzenden Holzstufen im Treppenhaus hinaufstieg, hörte sie über sich schleppende Schritte und beschleunigte ihre.
Wie erwartet ging vor ihr Manfred Schwarz, ihr Nachbar. Herr Schwarz war schon über achtzig und wohnte mit seiner Frau im dritten Stock. In diesem Altbau gab es keinen Fahrstuhl. Er trug in einer Hand eine prall gefüllte Einkaufstasche und hielt sich mit der anderen Hand am Geländer fest.
„Guten Abend“, grüßte Kati. „Kann ich Ihnen helfen? Vielleicht die Tasche abnehmen?“
Herr Schwarz blieb stehen und wandte den Kopf. Er hielt sich immer noch aufrecht, das weiße Haar war etwas schütter und er hatte ein gutmütiges Gesicht mit lebhaften Augen. Heute allerdings nicht, wie Kati überrascht feststellte. Sein Gesicht wirkte eingefallen und der Blick war düster. Als er sie sah, lächelte er jedoch.
„Ach, danke Frau Springer. Es ist nur dieses dumme Knie, was mich derzeit einfach aufhält.“
Er hatte ihr einmal erzählt, dass er Arthritis im Knie hatte und bald operiert werden sollte.
„Ich trag Ihnen die Tasche mal hoch“, sagte sie und er überließ sie ihr offensichtlich nur zu gern. Sie stellte fest, dass die Tasche gefüllt war mit Einmachgläsern.
„Wo waren Sie denn am Sonntag einkaufen?“ Und vor allem um neun Uhr abends.
„Nein“, sagte er und lachte etwas außer Atem vom Treppensteigen. „Meine Reise ging nur in den Keller. Das ist Marmelade, Apfelmus und eingelegtes Gemüse, das meine Frau immer im Sommer macht.“
„Oh wie lecker.“
Gemeinsam gingen sie weiter.
„Wie geht’s Ihnen“, fragte er. „Gesund und munter?“
„Danke, alles bestens. Zum Glück, kann man nur sagen. Wie geht es Ihrer Frau?“ Auch Frau Schwarz war immer eine freundliche Nachbarin, noch ein wenig rüstiger und wahrscheinlich jünger als ihr Mann.
„Ach, alles gut, danke“, sagte er. Irgendwie klang er nicht so lebensfroh wie sonst.
„Hat man Sie schon wegen des Corona-Virus nervös gemacht?“, fragte Kati. Sie meinte, eine plötzliche Anspannung zu spüren.
„Nein, wir lassen uns da nicht verrückt machen. Ist ja nicht zu ändern. Allerdings könnte es sein, dass meine Operation verschoben wird. Die ist erst in vier Wochen. Der Arzt hat so etwas angedeutet, dass es passieren könnte. Das wäre natürlich ärgerlich für mich.“
„Ich drücke die Daumen, dass alles gut geht“, sagte Kati. Sie hatten den dritten Stock erreicht und sie stellte die Einkaufstasche vor der Wohnungstür ab. „So, dann wünsche ich Ihnen einen schönen Abend und grüßen Sie Ihre Frau.“
„Ja, danke. Ihnen auch“, sagte Herr Schwarz und kramte seinen Schlüssel aus der Jackentasche.
Kati zögerte kurz.
„Wissen Sie, nur für den Fall, dass sich die Dinge verschlechtern, soll ich Ihnen meine Telefonnummer geben? Dann könnten Sie mich anrufen, wenn Sie vielleicht einmal Unterstützung brauchen, Einkaufen oder so etwas.“
Sie glaubte zwar, dass die beiden Familie hatten, aber sie hatte schon länger niemanden mehr bei ihnen gesehen. Allerdings bekamen die Bewohner des Hauses auch wenig voneinander mit. Sie kannte gerade mal zwei Parteien näher, mit den anderen hatte sie noch nie mehr als ein Hallo im Vorbeigehen gewechselt.
Er sah auf und lächelte, diesmal herzlich.
„Das ist aber sehr nett von Ihnen. Ich denke nicht, dass wir es brauchen werden, aber es ist vielleicht eine gute Idee. Ich habe aber nichts zum Schreiben dabei.“
Kati zog ihr Handy aus der Tasche.
„Haben Sie Ihre Telefonnummer im Kopf?“
„Natürlich“, sagte er sofort. „Ich habe alle Nummern, die ich brauche im Kopf.“ Er nannte ihr die Nummer und Kati speicherte sie ab.
„Wunderbar. Ich werfe Ihnen morgen früh einen Zettel mit meiner Telefonnummer in den Briefkasten. Gute Nacht, Herr Schwarz.“

Manfred

Manfred schloss die Wohnungstür auf und brachte die Tasche in die Küche, wo er die Gläser herausnahm und auf den Tisch stellte. In der Wohnung war es still. Er ließ sich Zeit mit den Gläsern. Dann ging er langsam zum Wohnzimmer.
Es brannte nur eine Stehlampe. Elisabeth, seine Frau, saß auf dem eleganten, aber schon recht abgenutzten Sofa. Erst im Februar hatten sie beschlossen, dass sie sich dieses Jahr doch noch ein neues schenken würden.
Ein Buch lag auf ihrem Schoß, aber sie starrte ins Leere. Als er in der Tür stand, zuckte sie leicht zusammen und sah auf, aber kein Lächeln erhellte ihr Gesicht. Das silbergraue Haar trug sie kinnlang und föhnte es jeden Morgen mit einer Rundbürste.
„Ich hab die Gläser auf den Tisch gestellt“, sagte er. „Ich weiß nicht, wie du sie einordnen möchtest.“
Sie war einen Moment still und er fragte sich, ob sie ihm überhaupt antworten würde.
„Ich mach’s gleich.“
„Du kannst mir sagen, wo ich sie hin räumen soll“, begann er, aber sie legte das Buch zur Seite und stand auf.
„Nein, ich mach das.“
Als er zur Seite trat, um ihr Platz zu machen, ging sie ohne einen Blick für ihn an ihm vorbei. Es versetzte ihm einen Stich. Sie war immer einen Kopf kleiner als er gewesen, jetzt war sie noch ein Stückchen kleiner geworden. Genau wie er achtete sie noch sehr auf ihre Haltung. Aber heute schienen ihre Schultern abgesackt und kraftlos.
„Ich helfe dir“, sagte er und wollte ihr folgen.
„Nein“, sagte sie sehr bestimmt, ohne sich umzudrehen und ging in die Küche.
Nach kurzem Zögern ging er ins Wohnzimmer und setzte sich aufs Sofa, neben den Platz, wo sie gesessen hatte. Er stellte den Fernseher an, aber keines der Programme sagte ihm zu. Die Stille danach war allerdings auch unerträglich, deshalb machte er den Fernseher erneut an, drehte jedoch die Lautstärke herunter, so dass er nicht hörte, was gesprochen wurde.
Vielleicht könnte er bei einem der Kinder anrufen, überlegte er. Aber was sollte er schon sagen? Er würde es nicht über sich bringen, zu reden. Nein, besser er musste nicht lügen und Fragen ausweichen.
Gedankenverloren blickte er auf den Bildschirm. Unaufhaltsam sogen ihn seine Gedanken in ein tiefes Loch. Die letzten Tage, heute, die Zukunft.
Plötzlich schreckte er auf. Es war kein Geräusch, dass ihn aus den Gedanken riss, sondern das plötzliche Gewahren der Stille. Wo war denn Elisabeth? Eben hatte er sie noch gehöhrt. Sie musste längst fertig sein in der Küche. Er warf einen Blick auf die Uhr. Schon halb zehn, stellte er überrascht fest. Mühsam stand er auf – da schmerzte sein Knie immer besonders – und ging in den Flur. Alles war still. Da sah er, dass die Schlafzimmertür geschlossen war. Stirnrunzelnd ging er hinüber und öffnete sie vorsichtig. Im Licht, das durch den Flur ins Zimmer fiel, sah er, dass sie schon im Bett lag, den Rücken der Tür zugewandt.
„Schläfst du schon?“, flüsterte er ungläubig. Es blieb still.
In den ganzen vierundfünfzig Jahren, die sie verheiratet waren, war es das erste Mal, dass seine Frau ins Bett gegangen war, ohne ihm Gute Nacht zu wünschen.
„Wir gehen nicht ohne Gute Nacht ins Bett“, war ihre Einstellung.
Er machte einen Schritt ins Zimmer, doch dann zögerte er. Lauschte. Ganz leise hörte er sie atmen. Sie war wach. Er kannte seine Frau. Elisabeth schnarchte nicht, aber wenn sie schlief, dann atmete sie tief und vernehmlich. Das hatte etwas beruhigendes für ihn. Jetzt stellte sie sich schlafend. Unschlüssig stand er da, die Hand auf der Türklinke und überlegte, ob er etwas sagen sollte. Schließlich drehte er sich um und schloss leise dir Tür hinter sich. Er ging ins Wohnzimmer und setzte sich wieder aufs Sofa. Das war doch nicht fair, dachte er.

München, I love you! Zimtschnecke

Lucas

Am Tisch zog Isabelle erst einmal ihre Daunenweste aus.
„Das war jetzt draußen so warm, damit hatte ich gar nicht gerechnet“, sagte sie und schüttelte ihr Haar aus. „Ich bin nämlich eine ganz schön große Strecke gelaufen.“
„Und heute gibt’s bei dir also Take-Away zu Hause“, stellte Lucas fest.
„Ich hatte plötzlich Hunger, da hab ich mir gedacht, dass ich jetzt keine Lust habe, zu Hause erst lange zu schnipseln und zu kochen“, sagte Isabelle und nickte. „Nachdem ich den halben Tag am Computer die Zeit vergessen hab.“
„Am Sonntag gearbeitet?“
Sie machte eine abwägende Handbewegung.
„Das hatte ich zumindest vor. Ich dachte, das sei das Beste, um mich von diesem ganzen Corona-Zeugs abzulenken, mit dem man von überall überschüttet wird. Das hat aber nicht wirklich funktioniert. Ich muss sagen, dass mich das schon beschäftigt. Jedenfalls hab ich stattdessen doch zu viel von diesen Nachrichten und Prognosen im Internet gelesen und dann beschlossen, dass ich besser an die frische Luft gehe.“
Eine Kellnerin brachte ihren Pflaumenwein.
„Zum Wohl“, sagte sie und nahm einen kleinen Schluck. „Du, und ich sag dir, da draußen an der Isar war von dem ganzen Theater überhaupt nichts zu spüren. Voll mit Menschen und ein Haufen Jugendliche am Ufer, die Party machten. Da wusste ich auch nicht mehr, ob das alles übertrieben wird, aber irgendwie hab ich ein ungutes Gefühl bei der Sache.“
Sie legte den Kopf schräg und sah ihn fragend an. „Wie geht’s dir dabei?“
Lucas fuhr sich nachdenklich durch das kurze Haar.
„Ich fürchte, dass da einiges auf uns zukommt, wenn man sich Italien anschaut. Aber in Panik verfallen ist auf jeden Fall gar nicht mein Ding. Kann ich mir auch nicht leisten. Ich habe ein Café“, erklärte er.
„Ach? Wo denn, wie heißt es?“
„Eigentlich sind es drei, zusammen mit einem Geschäftspartner. Es sind die „Coffee Addicts“. Eine Filiale ist ganz in der Nähe in der Wörthstraße. Die haben wir erst neu eröffnet.“
„Ehrlich? Das hab ich noch gar nicht bemerkt. Gut zu wissen, denn in dem in Neuhausen war ich schon zweimal und ihr habt ein wirklich guten Kaffee. Und die Zimtschnecken waren sehr lecker.“
„Ja, die sind der Renner“, sagte Lucas.
Die Kellnerin kam mit ihren Bestellungen. Isabelle sah überrascht und fast ein wenig enttäuscht auf, stellte Lucas erfreut fest.
„Na, das ging heute aber schnell“, sagte sie.
„Nicht viel los“, sagte die Bedienung mit entschuldigendem Lächeln.
„Ja, das ist ganz ungewohnt.“ Isabelle sah sich um.
„Tja“, sagte sie, als sie gezahlt hatten. „Dann gehen wir mal wieder.“
Auf der Straße war es bereits dunkel.
„Wohnst du in der Nähe?“, fragte Lucas, während er sein Fahrrad aufschloss.
„Nur zehn Minuten zu Fuß, höchstens.“
Er richtete sich wieder auf und lehnte sich gegen sein Rad.
„Ich könnte dich noch bis zur Tür geleiten.“
„Ja, wir waren noch gar nicht fertig mit unserem Gespräch“, stimmte sie zu und zog den Reißverschluss ihrer Weste hoch. „Wenn du in der Gastronomie bist, dann bleibt nur zu hoffen, dass hier die Lokale weiterhin offen bleiben.“
„Warten wir es ab“, sagte Lucas und ging neben ihr, das Fahrrad schiebend. „Wir haben vor ein paar Wochen einen Online-Shop für unsere Kaffeesorten eröffnet. Mittlerweile bekommen wir schon Bestellungen von außerhalb Bayerns.“
„Wie habt ihr das denn geschafft?“
„Wir haben es über Instagram beworben, da haben wir schon die letzten drei Jahre unseren Account. Ich glaube, das hat einiges gebracht. Naja, jedenfalls könnte das helfen, wenn’s ansonsten dumm läuft. Nur unser Programmierer macht mich wahnsinnig. Ich weiß nicht, ob er so unfähig ist, oder ob es wirklich die Technik ist. Jedenfalls hakt’s teilweise immer noch mit unserem Shop.“
„Oh je, die Technik.“ Isabelle lachte. „Wenn ich mal bei uns in der IT anrufen muss, weil was nicht funktioniert, kann ich praktisch den Tag vergessen.
Aber das war dann genau der richtige Zeitpunkt mit eurem Online-Geschäft. Ich drück dir die Daumen. Ich mache mir auch weniger Sorgen darum, krank zu werden, als um die wirtschaftlichen Folgen von all dem.“
„Was arbeitest du?“, fragte er.
„Ich bin im Einkauf in einem Unternehmen beschäftigt. Wir haben entfernt mit der Automobilbranche zu tun, aber sind zum Glück nicht komplett abhängig davon.“ Sie nannte den Namen, aber es sagte Lucas nur vage etwas. „Bei uns hat’s eh schon ein bisschen gekriselt in letzter Zeit. Eine Wirtschaftskrise kann ich wirklich nicht gebrauchen.“
Sie überquerten den Prinzregentenplatz und bogen in die Possartstraße ein.
„Keiner von uns“, sagte Lucas.
„Da vorn rechts“, dirigierte sie. Wenig später bogen sie in die Keplerstraße. Die Mietshäuser hatten kleine Vorgärten.
„Schöne Straße“, stellte Lucas fest.
„Ja, beschaulich“, sagte Isabelle und blieb vor einem Wohnhaus stehen. „So, dann hoffe ich, dass du es jetzt nicht allzu weit nach Hause hast.“
„Nö“, meinte er und stieg auf sein Rad. „Ich wohne in Neuhausen.“
„Was?“, rief sie aus. „Das ist doch ein ganzes Stück. Ich dachte, du wohnst hier in der Gegend.“
„Hab mich nur mit meiner Schwester und ihrer Familie zum Essen getroffen. Die wohnen Breisacher Straße“, sagte er und grinste. „Ich bin ja mit dem Rad, das geht schnell. Also, dann komm doch mal vorbei in der Wörthstraße.“
„Das werd ich machen. Meine Kaffeemaschine taugt eh nichts.“
„Aber du kannst natürlich nicht irgendwann vorbeikommen“, gab er zu bedenken und stützte sich locker mit den Ellbogen auf den Lenker. „Ich bin zum Beispiel immer Montags, Mittwochs und Samstags am Vormittag dort. Ansonsten ist das nicht so sicher.“
„Ach so. Dann muss ich meinen Kaffeewunsch natürlich danach ausrichten, das ist klar“, sagte Isabelle neckend.
„Völlig klar. Und allzu lange warten sollte man auch nicht. Jedenfalls nicht in diesen Zeiten.“
„Ich hoffe wirklich für dich, dass die Cafés hier geöffnet bleiben.“ Sie ließ ihre Take-Away Tüte hin und her baumeln. „Dann komme ich am Mittwoch auf einen Kaffee vorbei. Morgen habe ich einen Termin bei einem Kunden.“
„Mittwoch also“, nickte er. „Nennt man dich eigentlich Isabelle oder Isa?“
„Isabelle“, sagte sie mit Nachdruck. „Soviel Zeit muss sein.“
„Die habe ich“, sagte er lächelnd. „Freu mich auf Mittwoch. Schönen Abend noch.“
„Komm gut nach Hause.“ Sie hob die Hand und ging durch den Vorgarten zur Haustür.

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